Albert Sieber (* 27. Februar 1843 in Mingolsheim[A 1] im Kraichgau, Baden; † 19. Februar 1907 am Apachen-Trail in Gila County, Arizona, Vereinigte Staaten) war ein deutscher Auswanderer, der als Soldat im Bürgerkrieg sowie als Kundschafter (Scout) und Dolmetscher in der United States Army aktiv war. Unter anderem wurde er mit der Gefangennahme des Häuptlings der Chiricahua-Apachen Geronimo und Cochise beauftragt, nachdem beide gegen General Oliver Otis Howard kämpften.
Er diente unter den Departements-Befehlshabern bzw. Generalen George Stoneman, George Crook, August Valentine Kautz, Orlando Bolivar Willcox, Benjamin Henry Grierson und Nelson Appleton Miles.
Sieber wurde von Historikern zu den herausragendsten Gestalten der Grenzgeschichte Arizonas gezählt und neben Persönlichkeiten wie John Clum oder Mangas Coloradas gestellt.
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Sieber wurde am 27. Februar 1843 als 13. von 14 Kindern geboren. Er wurde am 1. März 1843 in der St.-Lambertus-Kirche in Mingolsheim getauft. Sein Vater Johannes, von Beruf Müller, starb im Alter von 46 Jahren am 16. September 1845 in Mingolsheim.[1] Seine Mutter Eva Katharina (geborene Fischer geb. am 10. Februar 1802), stammte aus Rauenberg.[2] Sie starb Ende September 1889 in Minneapolis. Sechs Kinder starben bereits im Kindesalter.
Johannes (1823–1909), der älteste Sohn, war ein Revolutionsteilnehmer bei der Badischen Revolution. Auf seiner Flucht erreichte er Le Havre. Er informierte seine Mutter, dass er eine Möglichkeit gefunden hatte, nach Nordamerika auszuwandern. Die Mutter verkaufte notgedrungen ihr Hab und Gut an Verwandte und Nachbarn. Im Herbst 1849 machte sie sich mit den restlichen sieben Kindern auf nach Le Havre. Von hier emigrierte die ganze Familie nach Nordamerika.
Sieber wuchs in Lancaster, in der Nähe des Conestoga-Flusses[A 2], auf – in jenem Gebiet, in dem die berühmten Conestoga-Planwagen[A 3] gebaut wurden, die zahllose Pioniere in den Westen brachten. Alberts Schwester Theresia heiratete um 1856 in Minneapolis den Schweizer Einwanderer Henry Oswald.[3] Daraufhin zog die ganze Familie nach Minneapolis in Minnesota.[4]
Albert meldete sich mit neunzehn Jahren während des Amerikanischen Bürgerkrieges am 4. März 1862 in die „1. Minnesota Infantry Company B“[A 4] und wurde dort als „Albert Sebers“ in den Unterlagen geführt.
Sieber hat in den Schlachten von Antietam (am 16. und 17. September 1862), Fredericksburg (am 13. Dezember 1862) und Chancellorsville (vom 1. bis 4. Mai 1863) auf der Seite der Nordstaaten gekämpft.
In der Schlacht bei Chancellorsville (1.–4. Mai 1863) war Sieber zur selben Zeit wie Carl Schurz (US-amerikanischer Politiker) und der ebenfalls bekannte Deutsche Friedrich Hecker aus Eichtersheim, Baden. Hecker war im 24. Regiment der Illinois Volunteers unter Führung des aus Sinsheim, Baden, stammenden deutschen Generals Franz Sigel in der Schlacht verwundet worden.
Zwei Monate später, am 2. Juli 1863, es war der zweite Tag der Schlacht von Gettysburg, an dem sein Regiment, welches zu mehr als 60 Prozent deutscher Herkunft war, zur Verteidigung des „Cemetery Hill“[A 5] eingesetzt wurde. Das Erste Minnesota-Regiment war das einzige Regiment an Ort und Stelle. Der Gegenangriff dieser 262 Mann gegen eine mehr als fünffache Übermacht forderte einen Preis von rund 220 Verwundeten und Gefallenen des Ersten Minnesota-Regiments. Albert Sieber war an Kopf und Bein schwer verwundet. Er kam ins Lazarett und brauchte eine halbjährige Genesungszeit.
Nachdem er seine Kräfte wiedererlangt hatte, nahm er bis zur Unterzeichnung des Friedensvertrags von Appomattox seinen Dienst als Wachmann in einem Kriegsgefangenenlager in Elmira, New York, auf. Er wurde nach Kriegsende am 15. Juli 1865 ehrenhaft aus der Armee entlassen.
Nach dem Krieg erkundete er um 1866 die Silberminen in Nevada und die Goldfelder von Kalifornien. Weil er keinen Erfolg hatte, schloss er sich 1868 einigen Männern an, die Pferde nach Arizona trieben.
Von 1868 bis 1871 fand er eine Anstellung als Vorarbeiter auf der Ranch von C. C. Bean im Williamson Valley in Arizona. Hier gab es nur wenige verstreute Siedler, die aber unter den ständigen Angriffen der Apachen zu leiden hatten. Von den Soldaten konnten sie nur wenig Schutz erwarten, sie mussten zur Selbsthilfe greifen. Sieber errang sich bald einen Namen unter den Weißen, weil er die Verteidigung gegen die Apachen organisierte. Als Führer der Siedler brachte er den Indianern eine empfindliche Schlappe bei, tötete eine Anzahl von ihnen, verjagte den Rest und rettete Hab und Gut der Siedler samt ihrem Vieh.
Im Jahr 1871 wurde er von General George Crook als Armeescout und Chef der Kundschafter eingestellt. Crook kämpfte bereits ebenso wie Sieber in den Schlachten von Antietam und Gettysburg. Neben Sieber standen noch andere bekannte Scouts wie Tom Horn[A 6], Mickey Free, Archie McIntosh[A 7] und Joe Felmer unter Crooks Befehl. Bis zum 1. Dezember 1890 diente Al Sieber als Chief-Scout in Arizona, zu einer Zeit, als dieser Posten zu den gefährlichsten in den Staaten gehörte. Er war verantwortlich für 86 Hualapais Apachen-Scouts. Als Kundschafter, Dolmetscher, Führer des Militärs und Verhandlungsführer zwischen den verschiedenen Indianerstämmen wurde Sieber zu einer legendären Gestalt und zu einem der berühmtesten Pfadfinder der Grenzgeschichte des Territoriums Arizona. Er kannte die bedeutendsten Führer der Apachen: Eskiminzin [5], Geronimo, Cochises Sohn Naiche, Chiricahua-Loco und Chato.
In den Apachen-Kämpfen soll er persönlich 50 Indianer getötet haben (...having killed more Apaches than Daniel Boone, Jim Bridger, and Kit Carson together...), selber wurde er 29 mal durch Kugeln oder Pfeile verwundet. Er wurde bekannt als „das Bleichgesicht, das keine Angst kannte“.
Als am 6. April 1873 Crook die Übergabe des Yavapai Chalipun mit 2300 Indianern nach Camp Verde begonnen hatte, blieb Sieber dort, um bei deren Verwaltung zu helfen.
Im Februar 1875 wurde Sieber gebeten, bei der Umsiedlung von 1500 Indianern der Yavapais und der Tonto Apaches vom Camp Verde nach San Carlos (Arizona) zu helfen, da das vorübergehende Lager Verde geschlossen wurde. Dies war ein äußerst gefährliches Betreiben, und es war größtenteils nur Sieber zu verdanken, dass es erfolgreich verlief. Diese Überführung, welche am 27. Februar 1875 begann und unter dem brutalen Kommando von Commissioner L. E. Dudley ausgeführt wurde, war eine der tragischsten in der Geschichte von Arizona. Im Winter durchgeführt, traf es hauptsächlich ältere Menschen, Frauen und Kinder. Die Indianer wurden gezwungen, durch die Hochwasser führenden Flüsse, über Bergpässe und durch enge Canyons, bei sehr schlechtem Wetter über 300 km (180 Meilen) bis zur San Carlos Reservation zu laufen. Während dieses Transfers wurden ungefähr 25 Kinder geboren und eine wirkliche Tragödie hat nahe der Mazatzal Berge stattgefunden. Viele hundert Indianer, die genaue Zahl ist nicht bekannt, starben in Schnee und Kälte. Noch heute wird an dieses Ereignis jedes Jahr mit dem Yavapai-Apache Exodus Day[6] gedacht. Es war die unglaubliche Tapferkeit von Sieber, der geholfen hatte, ein noch entsetzlicheres Massaker zu verhindern.
Nach der Ankunft blieb Sieber größtenteils in diesem Gebiet von San Carlos. Im Sommer von 1875 wurden weitere achthundert Apaches zur Umsiedlung von Fort Apache in die Indianerreservation San Carlos gezwungen.
Al Sieber wurde schon am 11. Juni 1883 mit der Gefangennahme von Geronimo beauftragt, nachdem dies zuvor schon jahrelang mit hunderten von Soldaten ergebnislos versucht worden war. Obwohl er zu dieser Zeit auf Patrouille nach Mexiko war, glückte es ihm und vielen anderen Scouts nicht, Geronimo aufzuspüren. Lt. Charles B. Gatewood und John Clum waren es, denen es gelang, mit einigen Apachenscouts Geronimo zur Aufgabe zu bewegen. Geronimo stellte sich endgültig erst am 4. September 1886.
Georg Crook beschrieb ihn 1884 folgendermaßen:
„Er ist sechs Fuß [ca. 1,80 Meter] groß, wiegt 190 Pfund [zwischen 90 und 100 kg] und scheint nur aus Knochen und Muskeln zu bestehen. Augen und Haar sind dunkel, sein Aussehen ist nicht außergewöhnlich. Er kann mit seinen Scouts sechzig Meilen am Tag zurücklegen, darüber hinaus ist er ein unvergleichlicher Gewehrschütze. Seine Furchtlosigkeit ist berühmt.“
– Georg Crook, 1884
Apache Kid, ein ehemaliger Scout Siebers, der es 1882 zum Rang eines Sergeant brachte, war unter Weißen aufgewachsen und der Sohn des Apachen-Häuptlings Toga-De-Chuz, welcher 1887 von Indianern in der San Carlos Reservation getötet wurde. Apache Kid, wie der damals ca 27jährige Ski-Be-Nan-Ted später genannt wurde, wollte die Mörder verfolgen, erhielt aber nicht die Erlaubnis, die Reservation zu verlassen. Daraufhin stahl er sich heimlich fort und brachte die Mörder seines Vaters um. Als er zurückkehrte, sollte er von Sieber festgenommen und zu seiner Verurteilung gebracht werden. Widerstrebend gehorchte der alte Scout Sieber und erklärte dem jungen Mann den Grund seines Kommens. Was dann am 1. Juni 1887 geschah, ist mit letzter Sicherheit nicht mehr geklärt worden. Es scheint aber, dass gegen den Willen von Ski-Be-Nan-Ted seine Begleiter das Feuer auf Sieber eröffneten, ihn niederschossen und danach in die Berge flohen. [A 8]
Sieber überlebte, doch fünf Monate lang musste er sich liegend unter der brennenden Sommerhitze von Arizona in seiner Wohnung auskurieren. Die Kugel zertrümmerte sein linkes Bein; eine Amputation ist ihm erspart geblieben, es blieb aber gelähmt und war verkrüppelt. Trotz seiner eingeschränkten Beweglichkeit nahm er nochmals die Verfolgung auf, konnte aber auch keine Spur von Apache Kid finden.
Siebers Entlassung aus dem Militärdienst (1890) ging eine vier Jahre langen Auseinandersetzung mit dem Agenten John Bullis voraus, die schon vor dem Verhaftungsversuch von Apache Kid begann. Sieber setzte sich für die Indianer auf San Carlos ein, die von dem Agenten betrogen und schlecht behandelt wurden.
Al Sieber erhielt lange keinen Dank, keine Bezahlung im Alter und fand nach seiner Entlassung nur noch wenig Beachtung. Er ließ sich in Globe (Arizona) nieder und verdiente sich erfolgreich seinen Lebensunterhalt mit der Wertschätzung von Minen, die er früher ausfindig gemacht hatte. Albert Sieber hat nie geheiratet, seinem Lebensstil war es nicht dienlich, verheiratet zu sein. Stets bemühte er sich um die Apachen, die zuverlässige Arbeit leisteten.
Als 1905 mit dem Bau des Roosevelt-Staudammes begonnen wurde, übernahm Sieber, unter Rheuma leidend, die Leitung der Apachen, welche die Straßenarbeiten an der Tonto Road, ca. 76 Meilen (um die 120 km) nordöstlich von Phoenix (Arizona), verrichteten.
Am 2. Februar 1906 wurde Albert Sieber von Dr. R. F. Palmer für ein medizinisches Gutachten untersucht, damit er eine Pension empfangen konnte. Dieses Protokoll ist überliefert und beschreibt Sieber folgendermaßen:
„Sieber ist ein Mann von 62 Jahren, 198 lbs (=amerikanische Pfund), 5 Fuß 11 ½ Zoll groß, Brustumfang 38 zu 40 Zoll, Unterleib 40 Zoll. Allgemeine Erscheinung ist das von einem Mann, der ein Leben der Extreme geführt hat. Langsames Gehen mit einem starken Hinken auf dem linken Bein und mit offensichtlicher Steifheit in allen Gelenken“. Das linke Bein ist 3 Zoll kürzer als das Rechte. Weiterhin werden diverse Narben (Verwundungen) dokumentiert. Sieber berichtete, dass er in der Indianerreservation San Carlos(Arizona) am 1. Juni 1887 (von Apache Kid's Begleitern) verwundet wurde.“
Originaltext:
“Mr. Seiber is a man of 62 years, 198 lbs, 5.11 1/2 ft. Chest measures 38 to 40 inches. Abdomen 40 in. General appearance is that of a man who has led a life of exposure. Walks slowly with a decided limp on the left leg, and with apparent stiffness in all of the joints. He presents the following wounds and scars:“ „Head, About middle of R. Occipito-parietal suture is a depression which will admit the tip of a finger. Said to have been caused by a shell wound at Gettysburg, July 2nd 1863. Right leg, Extant surface at about middle of leg is a circular scar 1 in diameter. Another scar between the knee cap and head of fibula, oval in form, 1 3/4 in long. Said to be entrance and exit of bullet received at Gettysburg July 2nd 1863. Left leg is 3 inches shorter than right. An old ulcer 2 1/2 in diameter over lower third of tibia inner surface and a similar ulcer 1 3/4 in diameter over external surface. Said to have been received at San Carlos June 1st 1887. 5 in of tibia said to have been removed at the time and many small pieces have ulcerated through at various times since.”
– Dr. R. F. Palmer
Viele Ereignisse drehten sich in Globe um den berühmten alten Pfadfinder Al Sieber. Sogar in seinem letzten Lebensjahr wurde Sieber in ein dramatisches Ereignis mit einbezogen.[7]
Am 31. Januar 1907 wurde Laura Morris und ihre Tochter Arminta Ann (viereinhalb Jahre alt) brutal mit einem Messer nahe an dem im Bau befindlichen Roosevelt Damm ermordet. Arizona Ranger Jim Holmes ersuchte Al Sieber um Hilfe bei der Aufklärung des Falles. Sieber nahm zwei Apache Scouts[A 9] zur Unterstützung mit. Da es zuvor geregnet hatte, waren die Scouts in der Lage, den Fußspuren des Mörders zu folgen. Sie kamen zu einer Pfütze, in welcher der Mörder seine Hände gewaschen hatte. Durch ihre Scout-Erfahrungen konnten sie aus den Spuren lesen, dass der Mörder etwas von diesem Punkt aus weggeworfen haben muss. Sie warfen einige Steine in die vermutete Richtung. Als sie nachkontrollierten, wo die Steine heruntergefallen waren, fanden sie die Mordwaffe. Sie kannten das Messer und wussten, dass es einem gewissen „William Baldwin“ gehörte. Dadurch war der Mord von Sieber rasch aufgeklärt.
Acht Tage vor seinem 64. Geburtstag war Al Sieber immer noch mit dem Bau an der Tonto Road beschäftigt. Am 19. Februar 1907 (Dienstag) wurde er bei der Beseitigung eines großen Felsbrockens getötet, als dieser herunterrollend alles unter sich zermalmte.
Die genauen Details seines Todes sind undeutlich. Es finden sich folgende vier Versionen:
Thrapps Schilderung (Chief of Scouts) auf Seite 400/401:
Seine Beerdigung fand mit militärischen Ehren am Freitag, dem 22. Februar 1907 in Globe (Arizona) Cemetery Gila County statt.
Der Grabstein wurde von der Territorial-Behörde als Andenken erstellt und kann heute noch in Arizona besucht werden.[9] Sieber liegt inmitten weiterer bekannter Männer begraben, so zum Beispiel Phin Clanton, Sheriff Henry Thompsen, Ed Shanely und Frank A. Nash.
Aus dem Felsen, der ihn erschlug, wurde ein zweiter Gedenkstein gefertigt und an der Stelle von Siebers Tod errichtet. Dies war neben der Tonto-Road Route 188, auf dem alten Apache Trail in Gila County, Arizona. Hierfür gaben die Apachen die Anregung und halfen auch bei dessen Aufstellung mit. Bei der Erweiterung der Tontoroad wurde dieser Stein an den Straßenrand versetzt. Im Jahr 2002 wurde er durch einen neuen, auf einem Podest stehenden Gedenkstein ersetzt.
Will Barnes vom U.S. Board of Geographic Names, setzte sich dafür ein, dass Al Sieber für seine Taten posthum von der Regierung geehrt wurde. 1932 war es dann soweit, ein Aussichtspunkt wurde benannt. Unglücklicherweise wurde er als „Seiber-Point“ falsch geschrieben und so in den Landkarten verzeichnet.
Diese Bergspitze liegt an der nordöstlichen Ecke des Grand Canyon (Koordinaten: 36° 18' N, 111° 57' W).
Mehrere Filme behandeln sein Leben und Kämpfen mit den Apachen:
Al Sieber wurde in verschiedenen Büchern und Zeitschriften beschrieben:
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Sieber, Albert |
| ALTERNATIVNAMEN | Sieber, Al; Seiber, Albert |
| KURZBESCHREIBUNG | deutscher Auswanderer, Soldat im US-amerikanischen Bürgerkrieg |
| GEBURTSDATUM | 27. Februar 1843 |
| GEBURTSORT | Mingolsheim |
| STERBEDATUM | 19. Februar 1907 |
| STERBEORT | am Apachen Trail in Gila County, Arizona, USA |