Ein Altar (griechisch βωμός, lateinisch ara, in christlichem Latein altare) ist eine Verehrungsstätte für eine oder mehrere Gottheit(en). Auf Altären können Opfergaben dargebracht werden. Doch auch die Errichtung des Altars an sich und seine unter Umständen reiche Verzierung sind bereits ein Akt der Verehrung.
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Der älteste Altar ist der Plattenaltar: eine relativ ebene, im Umriss unregelmäßige Steinplatte, die im Heiligtum auf dem Boden lag oder wie in Lepenski Vir in den Bodenestrich eingelassen war. In der Folgezeit kommt es zu Bankaltären, die in einem Gebäude oder einer artifiziellen Höhle umlaufen (Wandaltäre) oder wie bei maltesischen Tempeln Teil der Exedra sind. Mitunter sind sie, da auch Flüssigkeiten geopfert wurden, mit Bothroi (Opferlöchern) versehen. Aber bereits in der Tempelkultur auf Malta kommt es zu monolithischen Tischaltären. Ihre Formen variieren (gehörnte Altar von Beerscheba) und ihre genauen Bestimmungen führen später von Religion zu Religion zu immer anderen Mustern. So gibt es Brand- und Feueraltäre oder Altarberge (Megiddo, Monte d'Accoddi).
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Silbervergoldeter Feldaltar eines Großkomturs des Deutschen Ordens |
Die Größe mancher antiker Altäre (198 × 23 m in Syrakus!) wurde später kaum mehr erreicht. Von christlichen Altären unterscheidet sie auch die Aufstellung im Freien, die die Durchführung größerer Brandopfer ermöglichte. Bekannt ist der reliefgeschmückte Pergamonaltar (2. Jh. v. Chr.), dessen Grundfläche ca. 36 × 34 m maß. Die Teilrekonstruktion des Altars befindet sich im Pergamonmuseum in Berlin.
Im etruskisch-römischen Totenbrauchtum wurden den Verstorbenen bzw. ihren Manen (persönliche Totengötter) Gedenkaltäre (Cippi) errichtet, meist mit einer ehrenden Inschrift, von denen viele Tausende erhalten geblieben sind. In der Umgebung bedeutenderer Städte des römischen Reichs säumten Grabmäler und -altäre die Ausfallstraßen.
Im christlichen Bereich wird der Altar in Anlehnung an den Tisch des Abendmahles, das Christus am Abend vor seiner Gefangennahme und Kreuzigung einnahm, auch als mensa Domini ('Tisch des Herrn') bezeichnet. Deshalb gibt es im eigentlichen Sinne in einigen christlichen Konfessionen (z.B. Reformierte) keinen Altar, da nach ihrem Verständnis des Abendmahles am Altar kein Opfer dargebracht wird. Grundlage hierfür ist etwa die Feststellung des Hebräerbriefes, das christliche Opfer (Jesus Christus) sei ein für alle Mal dargebracht. In diesem Verständnis ist der Tisch das Gegensymbol zum Altar. Bezeichnet der Altar die Hierarchie unter Menschen, so bezeichnet der Tisch als Symbol die menschliche Gemeinschaft von Gleichen. Tisch und Mahl sind der Ort, an dem das Reich Gottes unter den Menschen gefeiert wird und dadurch in der Welt wirklich wird.
Katholische Kirchen enthalten einen „Heiligen Tisch“ als zentralen Ort der Eucharistiefeier, als Zeichen der Gemeinschaft mit Jesus Christus. Insbesondere mittelalterliche Kirchen konnten eine Vielzahl von Nebenaltären aufweisen, abhängig von Größe, Bedeutung und Reichtum der Kirche. Seine Heiligkeit bezieht der Altar in der katholischen Kirche aus dem Akt der Altarweihe, in der Regel durch einen Bischof, nicht aus den unter dem Altar verwahrten Reliquien von Heiligen. Allerdings wurde im Gefolge des 2. Vatikanischen Konzils lange und ausführlich diskutiert, dass die Konsekration des Heiligen Tisches durch die Feier der Eucharistie vollzogen wird und nicht durch das einleitende Gebet des Bischofs. Der Tisch in der Mitte der Welt gilt neben der heiligen Versammlung seiner Gemeinde (Paulus: Die Kirche als der Leib Christi) und ihrer Vorsteher als Abbild Christi. Als Zeichen unserer Gemeinschaft (Communio) wird deshalb zu Beginn und am Schluss der Eucharistiefeier der Altar vom Bischof, Priester und/oder Diakon mit dem Altarkuss verehrt.
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Altar, der anlässlich des Besuchs Johannes Paul II. in Polen gebaut wurde |
Der Altar nimmt in lutherischen Kirchen eine zentrale Stellung ein, da dort das Heilige Abendmahl eingesetzt wird und die Kommunikanten hier nach lutherischer Auffassung Christi wahren Leib und sein wahres Blut zur Vergebung der Sünden empfangen. Im Gegensatz zu reformierten Kirchen wurde der vorreformatorische, meist steinerne Altar in lutherischen Kirchen beibehalten und bis ins 19. Jahrhundert oft mit reich verzierten Aufsätzen versehen, deren Zentralbild in der Regel eine Darstellung des Gekreuzigten ist, während sich in der Predella meist eine Darstellung des Letzten Abendmahls findet. Die zentrale Bedeutung des Altarsakraments wird dadurch deutlich, dass sich oft um den Altar herum eine Kommunionbank befindet (oder zumindest Kniekissen an den Stufen des Altars), wo das Abendmahl knieend empfangen werden kann. In Gemeinden der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche singt die Gemeinde auch das Agnus Dei im Knien und bittet so noch einmal um das Erbarmen Christi, der sich am Kreuz geopfert hat.
In den lutherischen Kirchen tritt die Auslegung des Wortes Gottes (die Predigt in der Kirche) gleichberechtigt neben das Sakrament des Altars (Abendmahl). Sinnfälligen Ausdruck findet dies in der Sonderform des Kanzelaltars (siehe unten), der manchmal auch noch die Orgel einbezieht.
Der Altar, auf dem in der Regel die Agende liegt und oft Kerzen und ein Kreuz oder Kruzifix stehen, wird zu einem Ort, an dem die Gegenwart Gottes besonders deutlich ist. Das kommt vor allem bei der Feier des Abendmahls zum Ausdruck, wenn die Abendmahlsgeräte (Hostienteller mit Hostien, der Kelch und die Weinkanne) auf dem Altar stehen. Der Altar ist in lutherischen Kirchen in der Regel, wie auch bei der katholischen Messe vor der Liturgiereform des 2. Vatikanums, der Ort, an dem das gottesdienstliche Gebet gesprochen wird, also das Kollektengebet und die Fürbitten. Von ihm aus empfängt die Gemeinde den Segen am Ende des Gottesdienstes.
Da mit der Reformation die Neben- und Privatmessen abgeschafft wurden, gibt es auch in größeren Kirchen in der Regel nur einen Altar, der zusammen mit der Kanzel und dem Taufstein den Mittelpunkt des Kirchraumes bilden.
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Lutherisches Abendmahlsbild in Luckau |
Sonderform: Altartafel mit Katechismus-Texten in St. Fabian (Ringstedt) |
Barocker lutherischer Altar von Christian Precht (1677), St. Cosmae et Damiani (Stade) |
Lutherischer Altar mit Kommunionbank in Hjortsberga, Schweden |
In der neuapostolischen Kirche dient der Altar sowohl der Predigt als auch der Gabenbereitung. Der Altar befindet sich meist auf einem leicht erhöhten Podest. In der Mitte des Altars liegt die Bibel. Während des Gottesdienstes stehen die Amtsträger hinter dem Altar und predigen von dort aus. Während des Gottesdienstes stehen auf dem Altar mehrere, mit Hostien gefüllte Abendmahlskelche Die Anzahl der Kelche ist Abhängig von der Anzahl der Gottesdienstteilnehmer. Die Altäre sind für gewöhnlich mit Gestecken oder anderem Blumenschmuck versehen.
Unter einem (Altar-)Schrein (Retabel) oder Schreinaltar (Flügelaltar) versteht man in der in der Kunstgeschichte ein Objekt, das sich auf- und zuklappen lässt und sich hinter dem eigentlichen Altartisch erhebt. In kleinerem Maßstab haben sich besondere Formen von Haus-, Reise- und Tragaltären herausgebildet, um auch fern von einer Kirche die Messe feiern zu können.
Der Hochaltar steht am Ende des Chor- oder Altarraumes. Der Pfarrer bzw. die Pfarrerin steht im Gottesdienst vor dem Altar. Beim Beten wendet er sich mit der Gemeinde zu Gott - und kehrt deshalb der Gemeinde den Rücken zu. Wegen seiner Lage im Chor wird der Hochaltar auch als Choraltar bezeichnet.
Der Tisch- oder Volksaltar steht zwischen der Gemeinde und dem Pfarrer bzw. der Pfarrerin, so dass diese/-r die Gemeinde im Gottesdienst immer ansehen kann. Die katholische Liturgiereform des 2. Vatikanischen Konzils, welche die Feier der Messe versus populum, also mit dem Gesicht zur Gemeinde, nachdrücklich empfahl, führte zur Einführung solcher Altäre in nahezu allen katholischen Kirchen. Dabei wurden die vorhandenen Hochaltäre häufig entfernt, wenn sie nicht als kunsthistorisch wertvoll angesehen wurden. Da der Altar als Ort der besonderen Gegenwart Gottes in der Regel auch dann im Gottesdienst zu finden ist, wenn kein Abendmahl gefeiert wird, z.B. bei Gottesdiensten im Freien ("Gottesdienst im Grünen") oder andernorts außerhalb einer Kirche, wird dann oft ein gewöhnlicher Tisch mit einer Tischdecke, Kerzen und einer Bibel zum Tischaltar umfunktioniert.
Beim Kanzelaltar befindet sich die Kanzel unmittelbar über dem Hochaltar und ist über eine Treppe hinter dem Altar zu erreichen. Der Kanzelaltar ist eine der architektonischen Neuerungen im Protestantismus. In manchen Kirchen befindet sich über der Kanzel auch noch die Orgel. Der Kanzelaltar bringt besonders die enge Verbindung von Wort und Sakrament zum Ausdruck. Mit dem Eisenacher Regulativ von 1861 wurde der Neubau von Kanzelaltären verboten. Die Kanzel sollte sich möglichst niedrig an der Nahtstelle zwischen Chor und Langhaus befinden (nahe zum Volk), und nicht über dem Altar.(G. Rietschel: Lehrbuch der Liturgik, 1951))
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Der älteste Kanzelaltar Norddeutschlands in St. Pankratius, Hamburg-Neuenfelde |
Kanzelaltar in der Christuskirche Reichenhain |
Kanzelaltar in der St.-Lucas-Kirche (Scheeßel) |
Kanzelaltar in der Kirche von Nedlitz |
In den reformierten Kirchen, Baptistengemeinden sowie in vielen weiteren Freikirchen gibt es aus theologischen Gründen keinen Altar. An seiner Stelle steht die Verkündigung des Wortes Gottes im Mittelpunkt des Gottesdienstes. Der Abendmahlsfeier dient ein Abendmahlstisch.