Graffiti, Einzahl Graffito, steht als Sammelbegriff für privat angebrachte Bilder oder Schriftzüge auf Oberflächen des öffentlichen Raums. Graffiti erscheinen in einer Vielzahl von Ausprägungsformen und werden für die unterschiedlichsten Zwecke eingesetzt. Das moderne Graffiti in Form des typischerweise mit der Sprühdose angebrachten Style-Writings ist ein zentraler Bestandteil der Subkultur Hip-Hop. Daneben existieren aber auch hip-hop-unabhängige Formen von künstlerischem Graffiti, die demnach nicht dem klassischen Writing zuzuordnen sind, z. B. Streetart, Stenciling, außerdem sogenannte Ganggraffiti, welche allerdings nur bedingt ästhetischen Grundsätzen folgen, sowie Graffiti gänzlich ohne künstlerischen Anspruch wie sogenannte Klograffiti, Baumritzungen, Plakatgraffiti, Ultras-Graffiti und politisches Graffiti.
Graffiti ist der Plural des italienischen Worts sgraffito, das seinerseits aus einem vulgärlateinischen Verb für „mit dem Griffel kratzen“ entstanden ist (graphium „Griffel“, vgl. griechisch γράφειν (graphein) „schreiben“). Der Singular ist im Deutschen wenig gebräuchlich, so dass üblicherweise auch von einem Graffiti (und nicht von einem Graffito) gesprochen wird. In der Folge bürgert sich zunehmend auch der (falsche) Plural Graffitis im deutschen Sprachgebrauch ein. Korrekt ist: Graffitis ist der Genitiv von Graffiti.
| In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: Informationen über historische Graffiti vom alten Ägypten über die Römer bis zur Neuzeit fehlen (vgl. z. B. en:Graffiti, fr:Graffiti)
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In der Hip-Hop-Kultur bildet Writing eines der vier wesentlichen Elemente (neben Rap/MCing, DJing und B-Boying). Es besteht jedoch nicht zwingend ein Zusammenhang zwischen Writing und Hip-Hop. Writing ist älter als die Hip-Hop-Kultur, welche erst später alle vier Elemente miteinander vereinte. So sind auch heutzutage nicht alle Writer zwangsläufig und automatisch ebenfalls Hip-Hopper.
Als Vorläufer des Graffiti-Writing gilt der Schriftzug „Kyselak“, den der Österreicher Joseph Kyselak im 19. Jahrhundert auf Grund einer Wette an alle möglichen und unmöglichen Stellen schrieb.
Ein weiterer Vorläufer ist der Satz „Kilroy was here“, der im Zweiten Weltkrieg von US-Soldaten an die unmöglichsten und seltsamsten Stellen geschrieben wurde.
Graffiti-Writing als fester Bestandteil der Hip-Hop-Kultur hat seine Wurzeln im New York der 1970er Jahre. Ein griechisch-stämmiger Botenjunge begann, sein Pseudonym TAKI 183 während seiner Botengänge durch die Stadt an Wänden und Mauern zu hinterlassen. Ein Zeitungsartikel in der New York Times am 21. Juli 1971 über das Faible dieses Jungen animierte diverse Nachahmer. Das Tagging in seiner heutigen Form war geboren und breitete sich schnell unter den Jugendlichen der ganzen Stadt aus. Es wird gemutmaßt, dass evtl. Julio 204 bereits vorher mit dem Taggen begann, jedoch nicht die Aufmerksamkeit wie TAKI 183 erfuhr und daher nicht so bekannt wurde.
Anfangs genügte ein Marker oder Filzstift, um Kürzel, Zeichen oder Pseudonyme möglichst auffällig an Wänden, Türen, Bänken etc. anzubringen. Aber bald entdeckten die Akteure die Sprühdose als weitaus ergiebigeres Medium. Aufgrund der enormen Anzahl von Writern, wie die Mitglieder der Szene genannt werden, wurden die Tags immer größer und aufwendiger und ein jeder Einzelne musste einen möglichst eigenen innovativen Style und neue Techniken entwickeln, um noch aus der Masse von Tags hervorzustechen. Auch die Stellen wurden immer spektakulärer. So entwickelte sich durch Erfindung des Fatcap und das anschließende Umranden der auf diese Weise dickeren Buchstaben mit einer anderen Farbe (Outline) das Piece; kurz für Masterpiece. Dieser Schritt wird SUPERKOOL 223 zugerechnet, der ebenfalls als erster einen U-Bahn-Waggon von außen mit einem solchen Piece besprüht haben soll. Die Pieces wurden zunehmend auffälliger und technisch ausgereifter. Neuerungen wie der 3D-Block, um dem Style Tiefe zu geben, mehrfarbige Fill-Ins und Hintergrundgestaltungen (Background/Cloud), sowie Darstellungen von Figuren (Character) kamen hinzu. Die Writer begannen an sich selbst einen künstlerischen Anspruch zu stellen und es entwickelten sich schnell verschiedene Styles, wie der Bubblestyle und der Wildstyle von PHASE2 oder der Blockbuster.
Das Writing wurde nun auch über New Yorks Grenzen hinaus populär. Dem Franzosen BANDO CTK wird zugerechnet, 1983 das amerikanische Style-Writing nach Europa quasi importiert und hier maßgeblich zu dessen Verbreitung beigetragen zu haben. Besonders aber auch durch die Filme Wild Style, Beat Street und Style Wars, durch die eine breite Öffentlichkeit erreicht wurde, fand die Idee des Writing in den 1980er Jahren im europäischen Kulturraum begeisterte Anhänger. Die Entwicklung einer lebendigen Writing-Szene war seit Mitte der 1980er Jahre in allen europäischen Großstädten zu beobachten. Writer, die mit Beginn der Bewegung auf dem jeweiligen Kontinent aktiv wurden, werden heute gemeinhin als Old School (alte Schule) bezeichnet. Es ist allgemein üblich, dass auch in einer Stadt die lokalen Pioniere dieser Kultur so bezeichnet werden.
Bereits im antiken Pompeji fanden sich Inschriften auf Wänden. Diese altertümlichen, wohl eher der Kategorie Klograffiti zuzurechnenden, Kritzeleien finden bis in die heutige Zeit Verwendung bei Menschen, die sich mit eher geringem oder gänzlich ohne künstlerischen Anspruch (im gestalterischen Sinne) schlichtweg mitteilen oder "verewigen" wollen. So findet man diverse Sprüche und sonstige verschriftlichte geistige Ergüsse, wie der Begriff schon sagt, überwiegend auf Toiletten. Aber auch das bloße Hinterlassen von Namen, im Sinne von "ich war hier", wie es auch bereits Kyselak tat, ist häufig anzutreffen; überwiegend an Orten, die besonders häufig Ziele von Touristen sind. So z. B. auf Berggipfeln, Aussichtstürmen oder unter dem Balkon von Romeo und Julia in Verona. Diese Form von Graffiti weist zwar in diesem Sinn gewisse Parallelen zum Taggen auf, wird aber von Nicht-Writern erheblich seltener und nur an bestimmten Orten, zudem meist ohne Verwendung eines Pseudonyms, praktiziert.
Eine weitere künstlerisch anspruchslose Form des Taggens, die der reinen Markierung dient, wird seit den 1960er Jahren von einigen Fußballfans, die meist der Ultrà-Bewegung angehören, praktiziert. So markieren die Anhänger einer Mannschaft z. B. bei Auswärtsspielen ihre Aufenthaltsorte aber selbstverständlich auch ihre Heimatstadt vorrangig mit ihrem Gruppennamen. Wie die Ultrà-Bewegung selbst findet diese Praxis ihren Ursprung in Italien.
In den frühen 1980er Jahren waren es in Europa, ebenfalls bereits vor dem Import des amerikanischen Writing, hauptsächlich Punks, die es pflegten zu "taggen". Hierbei tut sich besonders Amsterdam als Zentrum hervor. Teilweise wurden von den Punks schon Pseudonyme verwendet, jedoch erhoben sie auch eher keinen künstlerischen Anspruch an ihre Hinterlassenschaften, was sicherlich im allgemeinen Ästhetikverständnis dieser Jugendkultur begründet liegt. Demzufolge gab es auch keine solche Entwicklung zu technisch ausgereiften Werken wie in den USA; die Graffiti behielten den Status von reinen Kritzeleien.
Da sich Graffiti im europäischen Kulturraum zunächst völlig unabhängig von der Writing-Kultur in den USA entwickelten, entstanden hier gänzlich andere Ausdrucksformen. Anders als beim amerikanischen Writing bildete hier nicht die Schrift oder ein Name das Basiselement der Graffitikomposition, sondern vielmehr bildliche Motive.
Hierbei ist besonders die Metropole Paris innovativ. Dem Franzosen Gérard Zlotykamien wird zugerechnet, als erster Künstler überhaupt und bereits vor der Entwicklung des Style-Writings im öffentlichen Raum künstlerisch tätig geworden zu sein. Zunächst mit Kreide oder Pinsel, später auch mit Sprühfarbe, malte er erstmals 1963 Strichfiguren, seine „Éphémères“ („die Vergänglichen“/„vom baldigen Verschwinden Bedrohten“), auf Mauern und andere Untergründe.
Ebenfalls in Paris verteilt seit 1981 Blek le Rat, anfangs noch als Künstlerduo, seine Stencils auf diversen Wänden, nachdem er nach eigenen Aussagen kläglich daran scheiterte, mit seinem Partner ein Piece im amerikanischen Writing-Stil zu sprühen.
1983 gestaltet Claude Costa in der Pariser Metro erstmals dort hängende Plakate mit Pinsel und Farbe um – eine frühe Form des Adbusting.
Seit 1977 sprüht Harald Naegeli, der ‚Sprayer von Zürich‘, seine Strichfiguren auf Wände in diversen Großstädten. Wegen seinen Graffiti in Zürich wurde er 1981 zu neun Monaten Haft und 206.000 Franken Strafe verurteilt. Diese Strafe musste er 1984 absitzen, nachdem er nach Deutschland geflohen und ein internationaler Haftbefehl gegen ihn ausgestellt worden war. Heute ist er ein anerkannter Künstler, dessen Werke von der Stadt Zürich als schützenswert erachtet werden.
Neben diesen europäischen, eher der Streetart zuzurechnenden Graffiti-Aktivisten gibt es natürlich auch im amerikanischen Kulturraum Sprayer, die diesem Genre und nicht dem Style-Writing zugeordnet werden können. Hier sind unter anderem Keith Haring, Jean-Michel Basquiat und Richard Hambleton als bekannte Vertreter zu erwähnen.
Unabhängig von rechtlichen Aspekten lässt sich jedes einzelne Graffito (Tag oder Piece) zunächst als ein Kunstwerk betrachten, das in der Tradition der abstrakten Malerei, der Kalligraphie und der Comic-Ästhetik steht. Allerdings ist nicht jedes Graffito ein „gelungenes“ Kunstwerk. Writing ist ein Genre wie andere auch, und so gibt es auch hier wenige Meister ihres Fachs und viele Lernende, Unbegabte oder Nachahmer. Diese Bewertung der Werke ist allerdings nur für Szene-Mitglieder relevant.
Teils wird aktuell von Insidern kritisiert, dass Motivwahl und Art der Ausführung heutiger Graffiti sich sehr wiederhole und zu engen Graffiti-Konventionen und Ritualen gehorche, die ursprüngliche Kreativität und Innovation in der Gestaltung sei aber einmal sehr frei gewesen, und habe viel mehr der „Selfexpression“, also dem subjektiven künstlerischem Ausdruck der Writer gedient, als heute, wo man oft nur etablierte Writing-Regeln penibel erfülle. Auch habe Graffiti seinen überraschenden Effekt für die Allgemeinheit verloren.
Einige Writer wie z. B. Seen, JonOne und Jay One sind mittlerweile weltweit anerkannte Künstler, die ihre diversen Werke wie Leinwandarbeiten oder Skulpturen verkaufen und in renommierten Galerien ausstellen können. Allgemein finden zum Thema Writing/Streetart mittlerweile relativ viele Ausstellungen statt. Darüber hinaus gibt es zahlreiche Writer, die Auftragsarbeiten ausführen und teilweise sogar davon leben. Im Gegensatz zu der Zeit, als die Kultur noch in den Kinderschuhen steckte und idealistische Motive im Vordergrund standen, stellt es für viele einen Anreiz dar, die Illegalität hinter sich zu lassen und von seinem Hobby den Lebensunterhalt bestreiten zu können.
Wie weit die gesellschaftliche Anerkennung von Graffiti schon gediehen ist, zeigt etwa der Umstand, dass in Wien im März 2006 eine Straße von der Stadtverwaltung offiziell in Graffitistraße umbenannt worden ist.
Die Universität Potsdam kam bei Untersuchungen[1] zu verschiedenen Motivationen der Sprayer:
Den drogenähnlichen Rauschzustand, den Sprüher immer wieder erleben, hat man sonst nur bei Extremsportlern wie z. B. Felskletterern festgestellt und er tritt überraschenderweise gleichermaßen bei legal (Ruhm und Leistung) als auch bei illegal (Grenzerfahrung) arbeitenden Writern auf. Gleichzeitig bedeutet illegales Malen jedoch auch ein hohes Maß an psychischem und physischem Stress. Dieser Stress kann ein Grund für einen Writer sein, auf legales Malen umzusteigen.
Im Prinzip werden so ziemlich alle möglichen Objekte besprüht, so z. B. Häuserwände, Trafostationen, Brücken, Unterführungen, Eisenbahnfahrzeuge und -anlagen, Schallschutzwände, in Großstädten auch Bauwagen, Busse und LKW, aber auch kleinere Flächen wie Stromkästen oder Verkehrsschilder. Jedoch ist das Besprühen von Einfamilienhäusern, privaten PKW, Denkmälern, Grabsteinen und historischen Gebäuden in der Writing-Szene meist verpönt.
Als Faustregel gilt, je schwieriger ein Objekt zu erreichen und zu besprühen ist, desto größer die Anerkennung (der Fame) für den Writer. Eine auf einem Hausdach gelegene Wand (Rooftop), ein ganzer Eisenbahnzug (Wholetrain) oder ein einzelner Waggon eines Zuges (Wholecar) sind in der Regel schwieriger zu besprühen, als eine Straßenunterführung und bringen dementsprechend mehr Ansehen. Hierbei hängt der Grad der Anerkennung aber auch von Qualität (Sauberkeit, Stil u. ä.) und Quantität ab.
Aufgrund der weiten Verbreitung von illegalen Graffiti gibt es Bestrebungen, potenzielle Ziele im öffentlichen Raum vor Sprayern zu schützen.
Im Wesentlichen gibt es hierfür folgende präventive Ansätze:
Graffiti gelten als ein zentrales Ausdrucksmittel urbanen Lebensgefühls und finden daher speziell unter Jugendlichen häufig Anerkennung. Dennoch wird das Thema Graffiti immer wieder kontrovers diskutiert: Während Graffiti auf der Berliner Mauer weitgehend gesellschaftlich anerkannt wurden, empfinden weite Teile der Bevölkerung die kurzen Tags (Signaturkürzel) als Verunstaltung und puren Vandalismus. Die Bewertung hängt damit entscheidend von der Schönheit und Bedeutung des ursprünglichen Objektes und der Ästhetik der Graffiti ab. Wobei ein Graffiti szeneintern oft völlig anders bewertet wird als von Außenstehenden. Daneben demonstrieren oder zelebrieren Teile der Szene ihr fehlendes Unrechtsbewusstsein und verstärken damit die Ablehnung der Öffentlichkeit.
Graffiti wird auch als häufiges Stilmittel in der Werbebranche, speziell für Jugendprodukte verwendet. Die im Stadtbild allgemein vorhandene, legale kommerzielle Außenwerbung sieht sich weit weniger Vorwürfen als die Graffitikunst ausgesetzt.
Das nicht genehmigte Aufbringen von Graffiti kann in Deutschland zivil- und strafrechtliche Folgen haben. Zivilrechtlich kann gegen die Sprayer ein Schadensersatzanspruch wegen unerlaubter Handlung entstehen. Ein Entfernen ist oft mit hohen Kosten verbunden, doch kann die Verjährung des Anspruchs auch bei einem momentan zahlungsunfähigen Verursacher bis zu 30 Jahre betragen. Daneben kann der Eigentümer auch Unterlassung verlangen.
Strafrechtlich kommt eine Sachbeschädigung in Betracht, die auch mit einer Freiheitsstrafe sanktioniert werden kann. Die dafür geltenden Rechtsnormen sind in Deutschland § 303, § 304 StGB, in Österreich die §§ 125 und 126 StGB, in der Schweiz der Artikel 144 StGB.
Allerdings war es lange Zeit so, dass ein Eingriff in Sachsubstanz oder Funktion verlangt wurde, um den Tatbestand der Sachbeschädigung zu erfüllen (BGHSt 29, 129). Wenn die bestimmungsgemäße Funktion nicht wie bei Denkmälern, Verkehrsschildern usw. gerade in einem bestimmten Aussehen lag, erkannte die Rechtsprechung einen solchen Eingriff bei entfernbaren Aufsprühungen nicht. Eine weitere Auslegung überschreite die Wortlautgrenze (vgl. Analogieverbot). Allerdings ließen es die Gerichte genügen, dass Verletzungen der Sachsubstanz erst mit dem Entfernen entstanden. Diese Rechtsprechung verursachte aber sowohl praktische (Beweisprobleme, Gutachterkosten) wie auch dogmatische (Erfolgseintritt und damit Vollendungszeitpunkt) Probleme. Das führte in Deutschland im September 2005 zum 39. Strafrechtsänderungsgesetz, das den Sachbeschädigungstatbestand um den neuen Absatz 2 erweiterte. Danach macht sich auch strafbar, „wer unbefugt das Erscheinungsbild einer fremden Sache nicht nur unerheblich und nicht nur vorübergehend verändert.“ Noch nicht höchstrichterlich geklärt ist, was alles unter diesen neuen Tatbestand fällt.
Weitere mögliche Straftatbestände können sich aus der Verletzung des Eigentumsrechts (unerlaubtes Betreten fremden Grund und Bodens: § 123 StGB – Hausfriedensbruch) sowie durch Gefährdung des Straßen- und Eisenbahnverkehrs bei Bemalung von Verkehrszeichen, -schildern und Signalen (§ 315 und § 315b StGB – Gefährliche Eingriffe in den Bahn- oder Straßenverkehr) ergeben. Die Verwendung von Flusssäure im öffentlich zugänglichen Raum wird als Verbrechenstatbestand im Sinne des § 330a StGB – Schwere Gefährdung durch Freisetzen von Giften verfolgt.
Die Entfernung unerlaubter Graffiti an Gebäuden und öffentlichen Verkehrsmitteln verursacht nach Angaben des Zentralverbandes der Deutschen Haus- und Grundeigentümer pro Jahr Kosten von bis zu 250 Millionen Euro.
Um jugendliche Sprayer aus der Illegalität herauszuholen, wurden Graffiti auch als Jugendprojekt angeboten. Hier hat sich seit den 1980er Jahren besonders Barbara Uduwerella und ihr Projekt Hiphop Hamburg hervorgetan. Ziel war es, Graffiti zu entkriminalisieren und außergerichtliche Einigungen zu finden.
Die Graffitiforschung beschäftigt sich mit dem soziologischen und kunstgeschichtlichen Aspekt von Wandmalereien. Dieser Forschungszweig sieht sich in der Tradition der Altertumsforscher, die vor ca. 300 Jahren begannen, antike Wandinschriften zu suchen, auszuwerten und zu publizieren. Der Begriff Graffitiforschung wurde erst ca. 1980 geprägt. Er setzte sich 1995 weltweit durch.
Die Graffitiforscher gehen von der Annahme aus, dass Graffiti eine Menetekel-Funktion erfüllen und als politisches Thermometer angesehen werden können, sofern transpersonale Zusammenhänge eine Rolle spielen. Dies ist besonders in politisch unsicheren Zeiten von Bedeutung.
Siehe Hauptartikel: Graffiti-Jargon
Eine weitere Möglichkeit seinen Namen zu verbreiten, ist die "Beschriftung" von Glas-, Plastik- oder Farboberflächen durch sogenanntes „Scratching“. Scratchings stellen dabei meist Tags dar und werden in der Regel von Writern unter Einsatz von (Schleif)Steinen, Sandpapier oder Messern verübt. Eine Urform waren Baumritzungen in den Wäldern, die von Wanderern und Liebespaaren, mit einem spitzen Gegenstand (z. B. Taschenmesser) in die Rinde geschnitten wurden.
Beim Schnitzing werden Graffiti-Schriftzüge dreidimensional in Holz dargestellt. Dabei verbindet man damit traditionelle Holzbildhauerei mit den Inhalten der Writing-Kultur, um die Dynamik der Graffiti-Formensprache zur skulpturalen Kunst zu erheben.[2]
In Frankfurt am Main entstand im Jahr 2000 durch Schnitzing ein Projekt zur Entkriminalisierung von Jugendlichen, das den „Förderpreis der Deutschen Kriminalprävention 2004“ erhielt.[3]
Diese Form des Graffiti-Writing ist selbstverständlich so gut wie gar nicht im öffentlichen Raum anzutreffen.
Eine extrem gesundheitsgefährliche Art der Graffiti ist das Etching. Hierbei wird im schlimmsten Fall Glas mit Flusssäure angeätzt.[4] [5]
Beim Reverse-Graffiti werden schmutzige Oberflächen z. B. mit Wasser, Seife und Bürste selektiv so gesäubert, dass der gesäuberte Bereich das Graffiti darstellt.[6]
Politische Graffiti finden oft Ausdruck durch sogenannte Stencil-Graffiti. Unter einem Stencil bzw. Pochoir versteht man eine Sprühschablone, die vorher angefertigt werden muss und durch die anschließend die Farbe gesprüht wird. Häufig werden Politiker, politische Symbole oder ideologisch dargestellte Personen gesprüht. Ebenso häufig werden allerdings auch unpolitische Motive verarbeitet.
Weit verbreitet und schon seit langem praktiziert sind Graffiti auf Plakaten, insbesondere solchen, auf denen Personen abgebildet sind. Die häufigste Form der Plakatgraffiti besteht darin, die auf diesen Personen abgebildeten Personen mit Bärten oder Hörnern zu „verzieren“.
Graffiti auf Plakaten sind insbesondere zu Wahlkampfzeiten häufig zu beobachten. Wie andere Formen von Graffiti kann auch diese eine Form der Sachbeschädigung sein.
Eine spezielle Form von Plakatgraffiti ist das sogenannte Adbusting.
Die Baumgraffiti werden in der Forstwirtschaft zur Markierung des Baumbestandes bei Waldarbeiten benutzt. Gelegentlich werden auch kleine Nadelbäume von ihren Besitzern mit Farbspray markiert, um den Diebstahl von Weihnachtsbäumen während der Weihnachtszeit zu verhindern.
Im Rahmen der ersten Aktion Spechtbaum markierten hunderttausende Natur- und Vogelschützer von Pro Natura und dem Schweizer Vogelschutz, Bäume mit Spechthöhlen. Dazu wurde ein Logo als Pochoir mittels pinkfarbenem Spray auf Brusthöhe an den Stämmen angebracht.[7]
„Mit dem Graffiti bricht in einer Art von Aufstand der Zeichen das linguistische Ghetto in die Stadt ein. […] Insurrektion, Einbruch in das Urbane als Ort der Reproduktion und des Codes - auf dieser Ebene zählt nicht mehr das Kräfteverhältnis, denn das Spiel der Zeichen beruht nicht auf Kraft, sondern auf Differenz; vermittels der Differenz also muss es attackiert werden. […] Es genügen tausende mit Markers und Sprühdosen bewaffnete Jugendliche, um die urbane Signalethik durcheinanderzubringen, um die Ordnung der Zeichen zu stören.“
– Jean Baudrillard: KOOL KILLER oder Der Aufstand der Zeichen
„Ich bin für eine Kunst, die etwas anderes tut, als auf ihrem Arsch im Museum zu sitzen. Ich bin für eine Kunst, die entsteht, ohne zu wissen, daß sie überhaupt Kunst ist, eine Kunst, die die Chance erhält, beim Nullpunkt zu beginnen. […] Ich bin für eine Kunst, die sich selbst in den alltäglichen Unsinn verwickelt und doch an seiner Spitze steht […] Ich bin für eine Kunst, die ihre Form direkt aus dem Leben bezieht“
– Ellen H. Johnson, Claes Oldenburg: Baltimore 1971, S. 16 f.
Die klassischen Spielfilme, die sich mit dem Phänomen Writing befassen sind Wild Style (1983) und Beat Street (1984). Ebenso wie Style Wars (1983) – eine Mischung aus Dokumentation und Spielfilm – hatten sie enormen Einfluss auf die rasante Verbreitung der Writing-Kultur und prägten gleichzeitig die Graffitiszene und den Graffiti-Jargon.
Etwas modernere Spielfilme, die sich im weitesten Sinn mit Graffiti auseinandersetzen, sind im internationalen Raum The Graffiti Artist (2004) und Quality of Life (2004). Aus Deutschland stammen Filmproduktionen wie Status Yo! (2003) Moebius17 (2005) und Wholetrain (2006). Die Regisseure der beiden letzten Filme (Frank Lämmer und Florian Gaag) sind eng mit der Writing-Kultur verwurzelt.
Außer in Filmen taucht das Thema Graffiti ab und zu auch in Fernsehserien auf und zwar im breiten Spektrum von z. B. Soaps über Kriminal- bis hin zu Trickfilmserien, was von einer öffentlichen Wahrnehmung zeugt – für die Graffitiszene aber keine wesentliche Bedeutung oder gar Prägung hat.
Bedeutsamer sind da die Graffiti-Dokumentationen, die mit einem Blick eines Außenstehenden oder aber von Writern bzw. Crews entstehen. Eine recht ausgewogene Dokumentation ist Graffiti in Berlin – hier kommen sowohl Writer als auch die Polizei, ein Anti-Graffiti-Verein und ein Reinigungsmittelhersteller in Interviews zu Wort. Aus der Szene selber stammen meist Dokumentationen mit eingeschränkterem Blickwinkel, live gefilmten Aktionen und Interviews mit Writern. Teilweise finden sich darin auch Spielfilmhandlungen, die die Filmszenen thematisch miteinander verbinden oder anderweitiges Füllmaterial.
International ist der 2007 veröffentlichte Film BOMB IT von Jon Reiss die momentan aktuellste und umfassendste Dokumentation des Graffiti[8][9].
Das Thema Graffiti oder einzelne Künstler schaffen es gelegentlich auch in die Fernsehnachrichten (z. B. eine Gerichtsverhandlung von Oz in Hamburg), in Talkshows (Slide bei Riverboat im MDR) oder füllen ganze Reportagen (Loomit – Der Sprayer auf Arte).