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Hamm

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Dieser Artikel beschäftigt sich mit der deutschen Stadt Hamm in Nordrhein-Westfalen. Andere Bedeutungen siehe Hamm (Begriffsklärung).
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Hamm
Markierung
Deutschlandkarte, Position von Hamm hervorgehoben
Koordinaten: 51° 40′ N, 7° 49′ O
Basisdaten
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Regierungsbezirk: Arnsberg
Kreis: Kreisfreie Stadt
Höhe: 63 m ü. NN
Fläche: 226,26 km²
Einwohner: 183.065 (31. Dez. 2007)[1]
Bevölkerungsdichte: 809 Einwohner je km²
Postleitzahlen: 59001-59077 (alt: 4700)
Vorwahlen: 02381 bis 02385, 02388, 02389 und 02307
Kfz-Kennzeichen: HAM
Gemeindeschlüssel: 05 9 15 000
Stadtgliederung: 7 Stadtbezirke
Adresse der Stadtverwaltung: Theodor-Heuss-Platz 16
59065 Hamm
Webpräsenz:
Oberbürgermeister: Thomas Hunsteger-Petermann (CDU)
Lage von Hamm in Nordrhein-Westfalen
Karte

Hamm (lateinisch Hammona) ist eine kreisfreie Stadt im Zentrum Nordrhein-Westfalens. Die Stadt liegt im Nordwesten des Regierungsbezirks Arnsberg und am Ostrand des Ruhrgebiets. Sie wird von der Landesplanung als Mittelzentrum ausgewiesen und ist Mitglied im Landschaftsverband Westfalen-Lippe sowie dem Regionalverband Ruhr. Das Stadtgebiet erreichte nach mehreren Gebietsreformen am 1. Januar 1975 seine heutige Ausdehnung. Zeitgleich überschritt Hamm die statistische Bemessungsgrenze von 100.000 Einwohnern und erlangte den Großstadtstatus. Heute hat Hamm knapp 180.000 Einwohner (Stand: Ende 2007) und belegt damit den 42. Platz der größten deutschen Städte. Die Stadt ist Sitz des größten deutschen Oberlandesgerichts, des Oberlandesgerichts Hamm. Der Wahlspruch Hamms lautet: „Hamm, eine l(i)ebenswerte Stadt!“.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Geographie

Hamm liegt im Osten des Ruhrgebiets und im Herzen Westfalens. Naturräumlich ist die Stadt der Westfälischen Bucht und den Lippeniederungen zuzuordnen. Die Hammer Stadtbezirke erstrecken sich nördlich und südlich der Lippe, die die Stadt und ihr Zentrum von Osten kommend nach Westen auf einer Länge von 30,665 km durchfließt. Sie nimmt östlich der Innenstadt die Ahse als einen linken Nebenfluss auf. Diese ist das zweitgrößte Fließgewässer auf dem Stadtgebiet. Ihr Lauf wurde 1913 aus der westlichen Innenstadt heraus nach Osten verlegt, wo er heute im Kurpark den Düker erreicht, der die Ahse unter dem Datteln-Hamm-Kanal der Lippe zuführt. Der höchste Punkt im Stadtgebiet befindet sich an der Straße „In der Sommerbree“ im nordwestlichen Stadtbezirk Bockum-Hövel und ist eingemessen auf 100,5 m ü. NN (Quelle: Karte des Internetauftrittes der Stadt Hamm). Nur wenige Meter außerhalb der Stadtgrenze bilden der Kurricker Berg und der Homberg höhere Erhebungen. Das Stadtgebiet wird dabei nördlich und südlich von den Lippehöhen durchzogen, die das Flusstal und die Lippeniederungen begrenzen. Der niedrigste Punkt liegt südlich der Lippe („Am Lausbach“ auf 37,7 m ü. NN). Die Stadtgrenze ist 104,0 km lang. Die größte Ausdehnung des Stadtgebiets beträgt in Nord-Süd-Richtung 18,2 km und in West-Ost-Richtung 21,9 km.

[Bearbeiten] Nachbargemeinden

Die unten aufgelisteten Städte und Gemeinden grenzen an die Stadt Hamm. Die Aufzählung beginnt im Osten und setzt sich im Uhrzeigersinn fort:

Gemeinde Lippetal (5,7 km), Gemeinde Welver (19,4 km), Stadt Werl (8,1 km) (alle Kreis Soest (33,2 km)), Stadt Unna (0,3 km), Gemeinde Bönen (19,3 km), Stadt Kamen (2,4 km), Stadt Bergkamen (5,7 km) und Stadt Werne (14,0 km) (alle Kreis Unna (41,7 km)), Gemeinde Ascheberg (5,2 km) (Kreis Coesfeld) sowie Stadt Drensteinfurt (9,0 km) und Stadt Ahlen (14,9 km) (beide Kreis Warendorf [23,9 km]).

Die Zahlen in den Klammern bezeichnen die Länge der gemeinsamen Stadtgrenze. Die Stadtgrenze von Hamm hat dabei eine Gesamtlänge von 104 km.[2]

Die nächstgelegenen Großstädte sind Münster etwa 34 km nördlich der Stadtgrenze[3], Dortmund etwa 30 km südwestlich[4], Hagen etwa 43 km südlich[5], Paderborn etwa 64,5 km östlich[6] und Bielefeld etwa 62 km nordöstlich[7].

[Bearbeiten] Geschichte

offizielle Darstellung

[Bearbeiten] Wappen

Das Wappen der Stadt Hamm zeigt auf goldenem Grund den dreireihigen märkischen Schachbrettbalken in rot und silber. Die Stadtfarben und Stadtfahne sind rot-weiß. Das Wappen wurde der Stadt Hamm 1934 erneut verliehen. Sie führte es jedoch in kaum veränderter Weise bereits seit dem 13. Jahrhundert. Ursprünglich ist das Stadtwappen das Wappen der Grafen von der Mark, welche die Stadt 1226 gründeten. Nach den Gebietsreformen von 1968 und 1975 wurden weder Wappen noch Wappenteile der eingemeindeten Städte und Gemeinden in das historische Wappen der Stadt Hamm übernommen.

[Bearbeiten] Stadtgeschichte

Innenstadt von Hamm. Der Bereich zwischen den Grünflächen entspricht etwa der Fläche der Stadt kurz nach ihrer Gründung. Nur der östliche Rand (links) des Verlaufs der Stadtmauer ist nicht vom Bild erfasst. In der Mitte befindet sich die Pauluskirche.
Der Bahnhof von Hamm wird am 6. April 1945 von US-Soldaten eingenommen.
Oberlandesgericht am Otto-Krafft-Platz in Hamm

Hauptartikel: Geschichte der Stadt Hamm

[Bearbeiten] Von der Stadtgründung bis zur Reformation

Hamm ist eine Planstadt, die Graf Adolf I. von der Mark am Aschermittwoch des Jahres 1226 gegründet und mit Stadtrechten versehen hat. Die Gründung von Hamm steht am Anfang einer Reihe von Stadtgründungen dieses Grafengeschlechts, um die Grafschaft Mark sowohl militärisch als auch wirtschaftlich zu festigen und aus ihr einen einheitlichen Machtbereich zu schaffen. Anlass für die Stadtgründung war ein Streit zwischen dem weltlichen westfälischem Adel und dem Erzbischof von Köln, Engelbert I. von Berg, der bemüht war, die Kirche von weltlichem Einfluss zu befreien und die vom Herzogtum Sachsen abgespaltene Herzogswürde von Westfalen zu konsolidieren. Die daraus entstandenen Spannungen zwischen den zum Teil eng verwandten Protagonisten gipfelte in der Ermordung des Erzbischofs durch eine Gruppe von Häschern seines Verwandten Graf Friedrich von Altena-Isenberg. Dies trug ihm die Reichsacht ein und führte schließlich zu seiner Hinrichtung in Köln. Sein Besitz, Burg und Stadt Nienbrügge, wurden im Rahmen einer Strafaktion durch Graf Adolf I. von der Mark geschleift. Dieser versuchte das Erbe der Isenberger an sich zu bringen und so das Gebiet der gemeinsamen Stammlinie Altena-Berg zu erhalten. So bot er auch den Bürgern der Stadt Nienbrügge einige hundert Meter die Lippe aufwärts eine neue Heimat. Die Reste von Nienbrügge dienten dabei als Baustofflieferant. Da die neugegründte Stadt Hamm auf der Landspitze zwischen der Ahse und der Lippe an der Einmündung der Ahse entstand, erhielt diese Siedlung den Namen „tom Hamme“ (zum Hamm) bzw. Ham - nach der alten Bezeichnung für ein solches Flurstück, dem Ham. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit die heutige Schreibweise „Hamm“.

In den folgenden Jahrhunderten wurde Hamm zum Vorort und immer wieder auch zur Residenz der Grafschaft und diente als Gerichtssitz mit Appellationsfunktion für die märkischen Städte. Dies begründet auch die bis heute fortdauernde Gerichtstradition der Stadt. Die Residenzfunktion ging Hamm 1461 mit dem Tod des Grafen Gerhard von der Mark zu Hamm, der seit 1437 auf der Stadtburg Hamm residierte, verloren. Die Grafen, die inzwischen auch die Herzöge von Kleve waren, wohnen nun auf der Schwanenburg in Kleve.

Im Verbund der Hansestädte nahm Hamm seit 1549 die Rolle einer Prinzipalstadt für die märkischen Städte an. Das genaue Datum von Hamms Hansebeitritt ist unklar, verschiedene Quellen nennen den Zeitraum zwischen 1417 und 1471. (1494 wurde die nahe gelegene Stadt Münster zur Prinzipalstadt der Hanse in Westfalen.)

Der erste Sakralbau der Stadt, eine Kapelle am Platz der heutigen Pauluskirche, wurde 1275 durch den Bau der St. Georgskirche (heutige Pauluskirche) abgelöst. Die Kirche wurde allerdings erst am 17. April 1337 von der Stammkirche, der Pankratiuskirche in der Mark, abgepfarrt. Sie ist bis heute Hamms zentraler Kirchenbau. 1270 war bereits ein Zisterzienserinnenkloster (Kloster Marienhof) in Hamm gegründet worden, das 1290 vor die Stadt auf Haus Kentrop verlegt wurde. 1455 entstand als zweites Kloster das Franziskanerkloster Hamm, das im Vorfeld des Täuferreiches in Münster immer wieder Prediger nach Münster entsandte. Die weiteren das Stadtbild prägenden Kirchen entstanden erst im 16. (St.Agnes) und 18. Jahrhundert (Martin-Luther).

In den Jahren 1444-1449 (Soester Fehde) schlug sich die Stadt auf die die Seite Johann von Kleves (seit dem 5. Juni 1444 neuer Landesherr von Soest), der sich in die Auseinandersetzung der Stadt Soest mit den Erzbischöfen in Köln einmischte. Diese versuchten ihre ursprüngliche Stellung als Landesherren Soests wiederherzustellen. Daraufhin erwirkte der Erzbischof und Kurfürst von Köln 1444 die Reichsacht gegen Hamm, die jedoch ohne die drastischen Folgen des Jahres 1226 blieb. Trotz dieser Fehde und der Reichsacht fällt in diese Zeit eine Blüte der Wirtschaft in der Stadt. Ein wesentlicher Faktor dafür ist die 1448 in Kraft getretene Verordnung, nach der niemand außerhalb der Stadt im Amte Hamm das Bäcker-, Brauer-, Schuhmacher-, Schmiede- und Schneiderhandwerk ausüben durfte. Die Landbevölkerung musste in der Stadt einkaufen. Diese Verordnung blieb bis ins 19. Jahrhundert in Kraft. Noch 1498 zeugte ein Bündnisvertrag mit Münster von der relativen Unabhängigkeit der Stadt Hamm. Im Jahr 1503 wurde Hamm durch Kaiser Maximilian I. von allen westfälischen Freigerichten und sonstigen fremden Gerichten befreit.

Der wirtschaftliche Niedergang stellte sich mit dem Ausbruch einer als Pest bezeichneten Krankheit im Jahr 1531, den 1533 beginnenden Bürgerkämpfen und dem wachsendem Einfluss der Ortsherren ein.

[Bearbeiten] Von der Reformation bis zur Französischen Revolution

Die Reformation hielt 1553 in Hamm Einzug. Die große Stadtkirche St. Georg und Laurentius, die heutige Pauluskirche, wurde in „Reformierte Pfarrkirche“ umbenannt und ist seitdem der Versammlungsort der in Hamm maßgeblichen reformierten Gemeinde. Als die neue lutherische Gemeinde den Calvinisten 1562 Carrell Gallus aus Holland zum Pastor wählte, kam es zum Bildersturm. In diesem Rahmen wurden nahezu alle Kunstgegenstände der Kirche zerstört.

1557 wurde die Stadt von einer Hungersnot und 1558 von einem der zahlreichen Hammer Stadtbrände heimgesucht. Wenig später kostete ein Streit zwischen Bäckern und Leinewebern nach einer Eingabe des Leineweberoberzunftmeisters an den Landesherrn, Herzog Johann von Kleve, Mark und Ravensberg, im Jahr 1570 die Stadt ihre mühsam erworbenen Privilegien. In der Folge begann die Selbstständigkeit Hamms zu schwinden und machte Platz für den überall aufkommenden Absolutismus der Landesherren.

Bereits mit dem Spanisch-Niederländischen Krieg geriet Hamm in die Kriegerischen Auseinandersetzungen, die seit 1587 Westfalen und somit auch die Region um die Stadt immer wieder verwüsteten. Der spanische Feldherr und Statthalter in den Niederlanden, Alessandro Farnese, zog 1587 mit einem Heer bis vor die Stadt Hamm. Er sah von einer Eroberung ab, nachdem die Stadt sich freigekauft hatte. Spanische Marodeure verwüsteten im Jahr 1598 das nördlich vor Hamm liegende Kirchspiel Heessen.

Als 1609 das Haus von der Mark im Mannesstamm ausstarb, fiel die Grafschaft nach dem Jülich-Klevischen Erbfolgestreit an das Kurfürstentum Brandenburg. Der Kurfürst musste 1614 die Niederlande zu Hilfe rufen, so das Hamm am 23. September von deren Truppen besetzt wurde. Nach dem Kriegsausbruch 1618 folgen bis 1648 verschiedene Kriegsparteien, die Hamm besetzen. Die Stadt musste immer wieder hohe Zahlungen an die Besatzer leisten. Erst mit dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, der diese kriegerische Phase abschließt, wurde im Westfälischen Frieden der brandenburgische Besitzanspruch bestätigt. Doch erst 1666 wurde mit einem Teilungsvertrag das Erbe des Hauses von der Mark endgültig geregelt. Hamm blieb bei Brandenburg und behielt seine Garnison. Diese bestand traditionell aus einem Regiment zu Fuß, später, nach einführung der Nummerierung das Altpreußische Infanterieregiment No. 9 von 1646, das seinen Ersatz aus der Grafschaft Mark erhielt.

Kurz darauf (im Jahr 1650) gab es in Hamm die erste nachgewiesene Buchdruckerei. 1657 wurde mit dem Gymnasium Ilustre Academicum eine Hochschule mit den drei Fakultäten für Jurisprudenz, Theologie und Philosophie gegründet. Diese Entwicklung war Ausdruck einer neuen Blüte der Stadt, aber auch des Bestrebens des Landesherrn, das Land nach dem Krieg wiederaufzubauen. Die Hochschule hatte bis 1781 bestand, allerdings waren bereits seit 1766 keine Studenten mehr eingeschrieben. Die Universität wurde 1781 mit der schon seit dem Mittelalter im Hamm bestehenden Lateinschule zum heute noch existierenden humanistischen Gymnasium Hammonense zusammengelegt.

1701 trat das Kurfürstentum Brandenburg hinter das neue entstandene Königreich Preußen zurück. 1718 erhielt Hamm dann einen ständigen Magistrat anstelle des jährlich wechselnden Rates.

Im Jahre 1741 wurde Hamm von einer der zahlreichen Katastrophen heimgesucht, die die Entwicklung der Stadt immer wieder bremsten. In diesem Fall handelte es sich um einen großen Stadtbrand. Das alte gotische Rathaus der ehemaligen Hansestadt und 346 Häuser versanken ebenso in Schutt und Asche wie der Turm der Pauluskirche und das Stadtarchiv. Der Wiederaufbau zahlreicher Bürgerhäuser erfolgte nun in Stein. In der Folge des Stadtbrandes erhielt die Stadt im Jahre 1743 eine Brandordnung. Die Preußische Regierung ordnete die Verwaltungsbereiche neu und gründete 1753 den Kreis Hamm mit der Stadt Hamm als Sitz. Dazu entstanden das Landgericht Hamm und 1787 die Märkische Kriegs- und Domänenkammer, deren Präsident zunächst der Freiherr vom Stein war. In den sechziger Jahren dieses Jahrhunderts brachte der siebenjährige Krieg (1756 – 1763) erneut Zerstörung, aber auch einen Ausbau der Festungsanlagen mit sich. Schließlich wurde 1772 eine neue Kaserne in Hamm errichtet, um die Garnison der Festung unterzubringen. Diese war bis dahin in den Wohnhäusern der Bevölkerung einquartiert. Für den Bau dieser Kaserne wurde die Burg Mark abgebrochen, um das Baumaterial zu erhalten. Im Jahre 1803 sind dann auch ihre letzten Grundmauern entfernt worden. Naturstein ist in der felsenlosen Lippemarsch kostbar.

[Bearbeiten] Von der Französischen Revolution bis zur Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts

Die Französische Revolution brachte Hamm eine Schwemme von Flüchtlingen, darunter die künftigen französischen Könige Ludwig XVIII. und den späteren Karl X. Sie machten Hamm zum Sitz ihrer Exilregierung für Frankreich und blieben mehrere Monate in der Stadt, die damit zur quasi Regierungssitz des Königreichs Frankreich wurde, ohne Teil dieses Staates zu sein. 1796-1798 wurden die Stadttore abgebrochen. Hamm war seither nur noch Garnisonsstadt (bis 1884), hatte jedoch keine Festung mehr. Die bisherigen Befestigungsbauten waren der Entwicklung der Kriegstechnik ohnehin nicht mehr gewachsen. Die Folgen der Französischen Revolution überrollten Preußen und damit auch Hamm. Am 23. Oktober 1806 marschierten kaiserlich französische Truppen Napoleons in die Stadt ein. Im Jahr 1808 schlugen die Besatzer Hamm dem Großherzogtum Berg zu. Die Stadt wurde Kantonssitz in dem nach französischem Muster organisiertem Vasallenstaat Napoleons. Erst 1813 gelangte Hamm wieder in den Besitz des Hauses Hohenzollern, verlor aber nach dem endgültigem Frieden mit Frankreich 1815 den Sitz der Regierung für den Bereich der ehemaligen Grafschaft Mark an Arnsberg. Zwar sollte der neue Regierungsbezirk in Hamm angesiedelt werden, dies wurde jedoch durch das Betreiben des Oberpräsidenten Ludwig van Vincke verhindert, der die Ansiedlung des Regierungsbezirkes in Arnsberg befürwortete. Zum Ausgleich erhielt Hamm das Oberlandesgericht, das bislang in Kleve tagte. Ab 1816 herrschten in der Stadt Inflation und Hungersnot. Nach den Napoleonischen Kriegen erholten sich das Land und die Stadt unter der preußischen Regierung, so dass bereits 1840 ein starkes Wachstum der Vorstädte im Osten, Süden und Westen zu erkennen war. 1839 wurde der „Verein für Pferde-Dressur zum Dienste der Landwehr-Cavallerie im Regierungsbezirk Arnsberg“ gegründet. Seit diesem Jahr findet der heute noch in den Zentralhallen abgehaltene Pferdemarkt statt. Das Zeitalter der Industrialisierung stand mit Ende der 1840’er Jahre nicht mehr nur vor den Stadttoren - es hatte Hamm längst Richtung Minden überrollt: Die Eisenbahn hatte Hamm erreicht. Der erste Bahnhofsbau wurde noch 1847 eröffnet und entwickelte sich zum Motor der Hammer Wirtschaft und zum Garanten für die Ansiedlung der Metallindustrie, welche an die Seite der alten Brauereien wie Asbeck, Pröpsting und Isenbeck trat. Die Revolution von 1848 blieb in Hamm zwar nicht ohne Widerhall, allerdings wurden die Truppen, die nach Iserlohn in Marsch gesetzt waren, um die Aufstände zu unterdrücken, in Hamm bejubelt. Noch 1853 wurde in Hamm ein Todesurteil durch Hinrichtung vollstreckt, die letzte in der langen Geschichte der Hammer Justiz. Die zweite Hälfte des 19.Jahrhunderts stand dann endgültig im Zeichen eines stürmischen Wirtschaftswachstum. So wurde 1856 der Grundstein für die heutige WDI mit der Eröffnung der Drahtwerke Hobrecker-Witte-Herbers gelegt. Die Reichsgründung 1871 befeuerte diese Entwicklung mit nationalem Stolz und den Entschädigungszahlungen des im Krieg unterlegenen Frankreich. Schon 1873 suchte man in Freiske erstmals nach dem Schwarzen Gold, der Kohle, Antriebsfeder für die neuen Industrien, die überall entstanden. Bei Probebohrungen drei Jahre später (1876) stieß man bei Hamm-Mark auf Sole. Dieser Fund begründete das Kurbad Hamm, das sich bis heute im Stadtteilnamen Bad Hamm spiegelt. Angefeuert durch diese Entwicklungen wuchs die Stadt erheblich, so dass immer mehr moderne Infrastrukturen benötigt wurden, um die Stadt lebensfähig zu erhalten. So kam es 1891/92 zum Bau der Kanalisation. 1898 fuhr die erste Straßenbahn, und bereits 1858 war ein Gaswerk - zunächst für die Straßenbeleuchtung - gegründet worden. Mit der Jahrhundertwende (19. zum 20. Jahrhundert) wurde Hamm 1901 mit mehr als 30.000 Einwohnern so groß, dass es nicht mehr im Kreis Hamm verbleiben konnte. Der Stadt wurde die Kreisfreiheit zugestanden, sie blieb aber zunächst Sitz der Kreisverwaltung. Das Zeitalter der Zechen begann für das heutige Stadtgebiet 1903 mit dem Abteufen der Schächte Heinrich und Robert auf der Zeche De Wendel (1901). Es folgte die Zeche Maximilian, danach in den kommenden Jahren die Radbod (1905) und die Zeche Sachsen (1912). Das Jahr 1908 jedoch ging als schwarzes Jahr in die Geschichte der Stadt Hamm und des Stadtbezirks Bockum-Hövel ein. Schlagende Wetter und ein nachfolgender Grubenbrand auf Zeche Radbod forderten 348 Tote. Kurze Zeit später begann man mit dem 1913 fertiggestellten Bau des Datteln-Hamm-Kanals. Der Stadthafen Hamm wurde 1914 eröffnet.

[Bearbeiten] Die Weltkriege

Der erste Weltkrieg bremste - wie viele Kriege zuvor - die Entwicklung der Stadt und führte schließlich zur Aufgabe des Bergwerks Maximilian, das im August 1914 mit Grundwasser volllief. Wegen der Vordringlichkeit der Kriegstransporte hatte dringend benötigtes Material nicht rechtzeitig beschafft werden können.

Nach dem Krieg und der Besetzung der Bahnhofskommandantur am 9. November 1918 bildete sich ein Arbeiter- und Soldatenrat, der durch die preußischen Kommunalwahlen vom 2. März 1919 ins politische Abseits verbannt wurde. Insgesamt behauptete das Zentrum bei den Kommunalwahlen in der Zeit der Weimarer Republik seine Position als führende Partei in Hamm. Erst in den schon unfreien Märzwahlen 1933 wurde es durch die NSDAP überflügelt. Im Dezember 1918 erfolgte die Stilllegung des Gaswerks. Stattdessen übernahm die Zeche Radbod ab 1920 die Gasversorgung der Stadt.

Ausgelöst durch den Kapp-Putsch 1920 lieferte sich die aus Bergleuten bestehende „Rote Armee“ eine Schlacht mit der Reichswehr mit Toten und Verwundeten. Eine Eisenbahnbrücke wurde gesprengt und schließlich drei der Führer der unterlegenen Bergleute standrechtlich erschossen. Während der Ruhrbesetzung kam der erste Reichspräsident – Friedrich Ebert - nach Hamm. Dieses ist Exil für vertriebene Behörden aus dem besetzten Teil des Ruhrgebietes. Dazu gehörte etwa die Reichsbahndirektion, die von Hamm aus ihren Widerstand gegen Belgier und Franzosen organisierte.

Mit dem Jahr 1925 hielten dann auch die Omnibusse in Hamm Einzug. Sie ersetzen ab 1961 die Straßenbahn vollständig.

Zuvor allerdings übernahmen die Nationalsozialisten das Ruder, und das nicht nur in Hamm. Nach Hitlers Machtergreifung 1933 kam es im Stadtgebiet wiederholt zu Razzien gegen Sozialdemokraten und Kommunisten. Auch erste Übergriffe gegen die jüdische Gemeinde fanden statt. Mit dem preußischen Gemeindeverfassungsgesetz vom 15. Dezember 1933 und der Deutschen Gemeindeverordnung vom 30. Januar 1935 wurde auch in Hamm die Gleichschaltung von Stadtverwaltung und Stadtvertretung abgeschlossen. In der Reichskristallnacht am 9. November 1938 ist dann die Hammer Synagoge verwüstet worden. Sie musste später von den Juden selbst abgerissen werden. Die jüdische Gemeinde wurde in den folgenden Jahren deportiert, sofern sich ihre Mitglieder nicht durch Flucht ins Ausland in Sicherheit bringen konnten.

Noch 1933 wurde der Tierpark eröffnet, 1938 dann die heutige Bundesautobahn 2 gebaut. Schon 1936 ist das Wasserwerk in Warmen an der Ruhr der Stadt Hamm zugeschlagen worden, um die Wasserversorgung nicht zuletzt auch der kriegswichtigen Industrie zu verbessern. Mit einer Gemeindereform von 1939 gelangte das Dorf Mark mit den Resten der Burg Mark in das Stadtgebiet.

Der Zweite Weltkrieg brachte Hamm, das über Europas größten Güterbahnhof und zahlreiche Industrieanlagen verfügte, in das Fadenkreuz der Alliierten Bomberkommandos, die es bis 1945 zu 60 % zerstören. Die ersten Bomben fielen schon Anfang Juni 1940. Sie wurden als Vergeltung für deutsche Bombenangriffe auf die Zivilbevölkerung englischer Industriestädte von britischen Bombern nachts abgeworfen. Ein weiterer Angriff folgte am 8. September kurz vor Mitternacht. Zwei Bomben trafen die Liebfrauenkirche und richteten schwere Schäden an. Die Tatsache, dass dies das erste Gotteshaus in Deutschland war, das ein Opfer der Bomben wurde, nutzte Goebbels propagandistisch aus. In der Folge wurden in Hamm elf Hochbunker und zahlreiche weitere Schutzräume errichtet. Die Großangriffe des Jahres 1944 trafen die Stadt schwer. Neben 1029 Toten (einschließlich 233 Internierter/Kriegsgefangener) forderten die Angriffe einen hohen Zoll an den Kulturgütern der Stadt. So ging erneut das Stadtarchiv verloren (Dezember 1944). Noch im gleichen Jahr ereignete sich ein Grubenunglück auf der Zeche Sachsen mit 169 Toten. Bei Kriegsende 1945 wurde Hamm von amerikanischen Truppen besetzt. Die Stadt war - nach Dortmund - die am stärksten zerstörte Stadt des westfälischen Ruhrgebiets.

[Bearbeiten] Neue Geschichte

Die Jahre nach dem Krieg sind vom nötigen Wiederaufbau der Stadt geprägt. Aus ihren Trümmern ragen einsam die intakt geblieben und zum Teil noch heute betriebsfähig erhaltenen Hochbunker heraus. 1951 wurde der Tierpark wieder geöffnet und 1954 die Pauluskirche neu geweiht, allerdings wurde ihr Turm erst 1962 fertiggestellt. 1957 wurden die verschiedenen Unternehmen der Strom-, Wasser- und Gasversorgung sowie des Nahverkehrs zur den Stadtwerken Hamm vereinigt. Der Bau des ersten Hochhauses der Stadt wurde dann im Jahre 1959 vollendet. Es überragte sogar die Hochbunker und war Domizil des Oberlandesgerichts und der Generalstaatsanwaltschaft Hamm. Das Versiegen der Solequelle führte zur Aufgabe des traditionellen Bad Hamm im Jahre 1960. Das ehemalige Gelände des Kurbards ist jedoch bis heute Standort für Reha-Einrichtungen. Der Bau des Maximare (Solebad) und einer Saline bekräftigen den Willen der Stadtoberen, die Tradition von Bad Hamm fortzuführen und zu erneuern. 1975 wurde Hamm durch die zweite kommunale Neuordnung – vgl. auch Münster/Hamm-Gesetz - um Bockum-Hövel, Hamm-Heessen, Hamm-Pelkum, Hamm-Rhynern und Hamm-Uentrop erweitert.

Der schleichende Niedergang des Bergbaus erreichte Hamm im Jahre 1976. Die Schließung der Zeche Sachsen nebst anschließender Sprengung ihrer Fördertürme drei Jahre später brachten eine Welle der Arbeitslosigkeit mit sich, die sich dann im Jahre 1990 durch die Einstellung des Förderbetriebs auf der Zeche Radbod nochmals verschärfte. Der notwendige Strukturwandel, der sich aus dem Zechensterben ergibt, ist bis heute nicht abgeschlossen.

Mit dem Bau des Thorium-Hochtemperaturreaktors (Kernkraftwerk THTR-300) in Hamm-Uentrop 1983 begann in Hamm das Atomzeitalter. Es endete nach den Erfahrungen der Katastrophe in Tschernobyl bereits am 1. September 1989 endgültig. In diesem Jahr erging der Beschluss zur Stilllegung des Kernkraftwerks aus Kostengründen, nachdem ein Unfall am 4. Mai 1986 und zahlreiche weitere Störfälle das Vertrauen in die neue Technologie endgültig zunichte gemacht hatten. Am 10. Oktober 1991 wurde der Trockenkühlturm gesprengt.

Im Jahre 1984 fand in Hamm die erste Landesgartenschau Nordrhein-Westfalens statt. Der auf dem Gelände der ehemaligen Zeche Maximilian errichtete Maximilianpark gehört noch immer zu den größten Freizeit- und Erholungsanlagen der Stadt. Der eigens zu diesem Zweck errichtete riesige Glaselefant ist heute neben der Pauluskirche das Wahrzeichen der Stadt. 1985 wurde die Müllverbrennungsanlage der Stadt in Betrieb gesetzt. Ein Jahr später erschütterte dann die Masannek-Affäre die Stadt. Die beiden Doktortitel des Dezernenten für Wirtschaftsförderung, Sport und Müllbeseitigung, dem die Stadt u. a. die Müllverbrennungsanlage und die Eissporthalle verdankte, erwiesen sich als gefälscht.[8].

Mit der Stilllegung der Isenbeck-Brauerei 1988 endete die Jahrhunderte alte Brautradition der Stadt Hamm. Nach Abriss des alten Brauereigebäudes im Jahr 1990 stand der nötige Platz zum Bau des Allee-Centers zur Verfügung. 1992 eröffnet, vereinigt es sich seit 1997 mit der auf der gegenüberliegenden Straßenseite liegenden Ritterpassage zum größten Einkaufskomplex der Stadt.

Einen Kulturschub erhielt die Stadt durch den Radiosender Radio Lippewelle Hamm, der seit 1990 den Äther der Stadt um fundierte Informationen und gute Musik bereichert. Wo es Radio gibt, darf das Fernsehen nicht fehlen – der Offene Kanal Hamm wird seit 1993 in die Kabelnetze eingespeist. In diesem Jahr wurde auch der Neubau des Gustav-Lübcke-Museums eröffnet, der Hamm um eine der größten deutschen Ägypten-Sammlungen bereichert und neben einer Dauerausstellung zur Stadtgeschichte regelmäßig interessante Wechselausstellungen anbietet. Der Ausbau Hamms zur Kultur- und Ökostadt wurde Schritt für Schritt durch Errichtung des Ökozentrums 1998, die Eröffnung des großen Cineplex-Kinos CinemaxX im gleichen Jahr, die Wiedereröffnung des sanierten und teilweise neu errichteten Kurhauses 2003 und schließlich die Gründung der SRH Fachhochschule Hamm mit den Schwerpunkten Logistik und Wirtschaft vorangetrieben. Zusammen mit der Stadtbibliothek soll diese bis 2009 in einem Neubau auf dem ehemaligen Hortengelände in unmittelbarer Nachbarschaft des Hauptbahnhofes einziehen. Die Stadtbüchereien von Hamm konnten 2005 mit dem Titel „Bibliothek des Jahres 2005“ das Bild der Kulturstadt Hamm abrunden.

Seit seiner Fertigstellung und Einweihung am 7. Juli 2002 in Uentrop ist der Hindu-Tempel der Göttin Sri Kamadchi Ampal der größte tamilisch-hinduistische Tempel Europas und nach dem im nordindischen Stil errichteten Londoner Tempel der zweitgrößte Hindu-Tempel in Europa überhaupt. Die Jahre 2006 und 2007 stehen im Schatten zweier politischer Fehlgriffe, welche die Stadt in Aufregung versetzten. Die Pläne der Politik zur Errichtung eines Sees in den Lippeauen („Hamm ans Wasser“) scheiterten entgegen allen Prognosen am Ergebnis eines Ratsbürgerentscheides. Die Sodenkamp-Affäre erinnerte an die Masannek-Affäre[9] zwanzig Jahre zuvor. Dirk Sodenkamp, CDU-Lokalpolitiker aus Fröndenberg, bewarb sich mit einem gefälschten Zeugnis auf den Posten des Stadtarchivars von Hamm und wurde trotz besser qualifizierter Bewerber angenommen[10][11]. Jedoch ist aus dem Jahre 2006 auch Positives zu vermelden. Im Januar wurden bei Abrissarbeiten der am Nordenwall gelegenen Elisabeth-Kinderklinik die Grundmauern der 1269 erstmalig urkundlich erwähnten Burg des Stadtgründers, Adolf I. von der Mark, freigelegt. Die freigelegten Mauerreste wurden zum Teil neu aufgemauert und können auf dem Gelände vor dem neu errichteten Seniorenstift An Sankt Agens besichtigt werden.

[Bearbeiten] Einwohnerentwicklung

Siehe auch: Einwohnerentwicklung von Hamm

Bevölkerung (Stand: 31. Dezember 2004)
0-18 Jahre 20,69 % (37.417 Einwohner)
19-64 Jahre 60,03 % (108.576 Einwohner)
ab 65 Jahre 19,27 % (34.856 Einwohner)
Ausländeranteil 10,7 %

Die Entwicklung des Bevölkerungsstandes lässt sich nicht beliebig weit zurückverfolgen. Die ältesten präzise benennbaren Zahlen sind die der ersten Volkszählung im Jahre 1819. Die Angaben für frühere Jahrhunderte beruhen auf mehr oder weniger präzisen Schätzungen. Die Größe der Stadt wurde beispielsweise für das Jahr 1618 mit nur ca. 1.000 Einwohnern geschätzt.

1819 zählte Hamm 4657 Einwohner. Die heute deutlich größere Stadt Dortmund und frühere Freie Reichsstadt hatte im gleichen Jahr 4453 Einwohner, Essen 4842 (Stand: 1822), Münster (Westfalen) konnte 1818 bereits 15.158 Einwohner aufweisen, Köln 55.355 im Jahr 1819. Hamm, Dortmund und Essen gehörten zu Beginn des 19. Jahrhunderts also zu den rheinisch-westfälischen Mittelstädten, so wie dies heute bei Soest oder Unna der Fall ist. Mit der auch in Hamm bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts langsam einsetzenden Industrialisierung wuchsen Größe und Bevölkerungszahl dieser Städte dann rasant an. Die Einwohnerzahl der Stadt stieg von 4.467 in 1819 auf 31.371 im Jahr 1900. Wie die folgende Tabelle[12] zeigt, beschleunigte sich das Wachstum, insbesondere in der Westenfeldmark, ab Mitte des 19. Jahrhunderts Jahre besonders stark. Dies resultierte aus den 1853 und 1856 in der Westenfeldmark entstandenen Drahtwerken Westfälische Drahtindustrie (WDI) und Westfälische Union (WU), die schnell mehrhundertköpfige Belegschaften aufwiesen.

Jahr Altstadt Westenfeldmark Nordenfeldmark Südenfeldmark Ostenfeldmark gesamt
1843 5313 716 401 132 273 6835
1846 5462 693 406 153 221 6915
1849 5761 744 462 120 249 7336
1852 6.320 964 544 122 287 8237
1855 6352 1.202 614 140 289 8597
1858 7008 1771 759 147 337 10.022
1861 7431 2721 965 338 426 11.881
1914 7749 21.703 5242 10.058 2980 47.732

Bis 1925 stieg die Einwohnerzahl auf mehr als 50.000 an. Durch die späteren Eingemeindungen der Nachbarorte - insbesondere durch die Gemeindegebietsreform vom 1. Januar 1975 - wurde die Einwohnerzahl mehr als verdoppelt, von 83.000 auf 172.000. Hamm schloss damit in den Kreis der Großstädte auf. 2003 erreichte die Bevölkerungszahl mit 184.961 ihren historischen Höchststand. Am 31. Dezember 2006 betrug die „Amtliche Einwohnerzahl“ für Hamm nach Fortschreibung des Landesamtes für Datenverarbeitung und Statistik Nordrhein-Westfalen 183.672 (nur Hauptwohnsitze und nach Abgleich mit den anderen Landesämtern). Die Stadt Hamm gibt mit Datum zum 31. Dezember 2007 die Einwohnerzahl mit nur noch 179.853 an.

[Bearbeiten] Wahrzeichen und Maskottchen

  • Hamm ältestes Wahrzeichen, die heutige Pauluskirche, ist der zentrale Sakralbau im Herzen der Stadt.
  • Bis zum Abriss der Isenbeck-Brauerei gehörte das leuchtende, sich füllende Bierglas an der Fassade der Brauerei, das man - von der Münsterstraße her kommend - schon von weitem sehen konnte, zu den markantesten Punkten der Stadt. Eine Nachbildung dieses Bierglases befindet sich heute am Universa-Haus auf der Südstraße.
  • Seit 1984 ist unbestritten der große Glaselefant auf dem Gelände der ehemaligen Landesgartenschau (heute: Maximilianpark), der aus der Kohlenwäsche der ehemaligen Zeche Maximilian gebaut worden ist, neues Wahrzeichen der Stadt. Seither ist der Elefant in Hamm omnipräsent - bis hin zu Maxi, dem Maskottchen der Stadt. Nur böse Zungen werden behaupten, dass dies mit den Studien einhergeht, nach denen in Hamm die dicksten Menschen Deutschlands leben sollen[13].

Maxi heißt das Maskottchen für die Stadt Hamm. Dass der Elefant, ob aus Glas, Kunststoff oder Plüsch, das Wahrzeichen der Stadt Hamm ist, ist inzwischen unbestritten. Abgeleitet vom „großen Bruder“ im Maximilianpark wurden schon zur 775-Jahr-Feier Logo und Markenartikel mit einem stilisierten Elefanten entwickelt. Und die blauen Plüsch-Elefanten sind bei fast jedem Stadtfest Bestandteil des Straßenbildes. Ein Höhepunkt der „Elefantomanie“ war die Elefantenparade, die im Sommer 2004 sowohl von Hammer Bürgerinnen und Bürgern als auch von auswärtigen Gästen bestaunt wurde. Eine logische Folge war, sich bei der Entwicklung eines Maskottchens an der Figur des Elefanten zu orientieren - so entstand Maxi.

Maxi wird in der dargestellten Form für alle Events und Feste werben und bei allen Aktionen speziell für Kinder eingesetzt werden. Und Maxi hat noch drei Brüder. Der „Bau-Maxi“, der „Stadtwerke-Maxi“ und der „Grün-Maxi“ sollen bei Baustellen im öffentlichen Raum für Verständnis werben - wenn Tiefbauamt, Stadtwerke oder Grünflächenamt eine Fahrspur sperren müssen oder es auf andere Weise zu Behinderungen kommt, wird man einen der „Maxis“ sehen.

Bisher gibt es - neben den Baustellen-Schildern - Maxi auch als Pin. Diese sind im Internet-Shop der Stadt Hamm erhältlich. Geplant sind zudem auch ca. 12 cm hohe Kunststofffiguren von Maxi, wie man sie früher von den Mainzelmännchen kannte. Nach und nach sollen dann alle Artikel der Stadt wie Handtücher, Tassen etc. mit Maxi ausgestattet werden.

Außerdem ist Maxi das Maskottchen des Handballvereins ASV Hamm 04/69 Handball, der seit der Saison 2005/2006 in der 2. Handball Bundesliga spielt. Maxi tritt regelmäßig bei Heimspielen in der Stein-Halle sowie bei Feierlichkeiten des Vereins auf. Das Maskottchen erfreut sich nicht nur bei den jungen Fans großer Beliebtheit, sondern auch bei Spielern und Zuschauern.

[Bearbeiten] Politik und Verwaltung

Verwaltungsspitze
Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann (CDU)
1. Bürgermeister Ulrike Wäsche (CDU)
2. Bürgermeister Monika Simshäuser (SPD)
3. Bürgermeister Ingo Müller (FDP)
Finanzen 2005
Ausgaben Verwaltungs- und Vermögenshaushalt 652,029 Mio €
Einnahmen Verwaltungs- und Vermögenshaushalt 638,319 Mio €
Schulden 309,800 Mio. €
Rathaus der Stadt Hamm(ehemaliges Oberlandesgericht)

Für eine Übersicht der Oberbürgermeister und Oberstadtdirektoren siehe: Liste der Bürgermeister von Hamm

An der Spitze der Stadt ist bereits seit 1279 ein Rat nachweisbar. Er wechselte jährlich. Der „sitzende Rat“ hatte 12 Mitglieder, die nach Ablauf des Amtsjahres den „alten Rat“ bildeten. Wurde der Rat anfangs vom Stadtherrn ernannt, so wählte ihn die Bevölkerung ab 1376 direkt. Später erfolgte die Wahl dann indirekt durch acht Kurherren. Vorsitzende(r) des Rates war zunächst ein, später zwei Bürgermeister. Im 18. Jahrhundert nannte man den ersten Bürgermeister „ratender Bürgermeister“, sein Kollege hieß „zweiter Bürgermeister“. Seit dem 16. Jahrhundert gab es einen Magistrat als geschäftsführendes Organ des Rates. Diesem gehörten die Bürgermeister, zwei Kämmerer und zwei Fiscimeister an. Ab 1718 wurde der jährlich wechselnde Rat durch den ständigen Magistrat ersetzt. In französischer Zeit leitete ein Maire die Stadtverwaltung und ab 1835 mit Einführung der revidierten Städteordnung gab es wieder einen Magistrat mit einem Bürgermeister, der ab 1892 den Titel Oberbürgermeister erhielt.

Während der Zeit der Nationalsozialisten wurde der Oberbürgermeister von der NSDAP eingesetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg ernannte die Militärregierung der Britischen Besatzungszone einen neuen Oberbürgermeister. 1946 führte sie die Kommunalverfassung nach britischem Vorbild ein. Danach gab es einen vom Volk gewählten „Rat der Stadt“, dessen Mitglieder man als „Stadtverordnete“ bezeichnet. Der Rat wählte anfangs aus seiner Mitte den Oberbürgermeister als Vorsitzenden und Repräsentanten der Stadt, welcher ehrenamtlich tätig war. Des Weiteren wählte der Rat ab 1946 ebenfalls einen hauptamtlichen Oberstadtdirektor als Leiter der Stadtverwaltung. 1999 wurde die Doppelspitze in der Stadtverwaltung aufgegeben. Seither gibt es nur noch den hauptamtlichen Oberbürgermeister. Dieser ist Vorsitzender des Rates, Leiter der Stadtverwaltung und Repräsentant der Stadt. Er wurde 1999 erstmals direkt von den Bürgern der Stadt gewählt. Derzeit versieht dieses Amt Herr Thomas Hunsteger-Petermann.

Die Bezirksvertreter sind Wolf Köhler (Mitte), Klaus Alewelt (Herringen), Heinrich Engel (Pelkum), Doris Conrady (Rhynern), Björn Pförtzsch (Uentrop), Günter Bachtrop (Bockum-Hövel) und Uwe Hinkmann (Heessen).

Mit Blick auf die Dezentralisierung der kommunalen Verwaltung versteht sich Hamm als Bürgerkommune.

[Bearbeiten] Stadtrat

Der Rat der Stadt Hamm hat seit 2004 insgesamt 59 Mitglieder. Neben dem direkt gewählten Oberbürgermeister verteilen sich die übrigen Ratsmitglieder auf die einzelnen Parteien wie folgt:

CDU SPD GRÜNE FDP BG Hamm REP Parteilos Gesamt
2004 28 20 3 2 1 1 3 58

[Bearbeiten] Eingemeindungen

In die Stadt Hamm wurde am 1. April 1939 die Gemeinde Mark (Amt Rhynern), die Keimzelle der nach ihr benannten Grafschaft Mark, eingegliedert. Am 1. Januar 1968 folgte die Eingliederung der Gemeinden Berge und Westtünnen (Amt Rhynern) sowie des Großteils der Gemeinde Wiescherhöfen (Amt Pelkum), Kreis Unna. Ihre heutige Ausdehnung erhielt die kreisfreie Stadt Hamm im Rahmen der kommunalen Neuordnung von 1974 aufgrund des Münster/Hamm-Gesetzes, die zum 1. Januar 1975 in Kraft trat. Damals wurden folgende Städte und Gemeinden nach Hamm eingegliedert:

  • Stadt Bockum-Hövel, Kreis Lüdinghausen
  • Stadt Heessen, Kreis Beckum
  • Gemeinde Uentrop, Kreis Unna, 1968 aus den Gemeinden Braam-Ostwennemar, Frielinghausen, Haaren, Norddinker, Schmehausen, Uentrop, Vöckinghausen und Werries gebildet
  • Gemeinde Rhynern ohne Hilbeck, Kreis Unna, 1968 aus den Gemeinden Allen, Freiske, Hilbeck, Osterflierich, Osttünnen, Rhynern, Süddinker und Wambeln gebildet (Hilbeck wurde 1975 in die Stadt Werl eingegliedert.)
  • Gemeinde Pelkum, Kreis Unna, 1968 aus den Gemeinden Herringen, Lerche, Pelkum, Sandbochum, Weetfeld und Teilen von Wiescherhöfen (bis 1968 Amt Pelkum) gebildet

[Bearbeiten] Stadtgliederung

Hamm und seine Stadtbezirke

Das Stadtgebiet ist in die sieben Stadtbezirke Hamm-Mitte, Uentrop, Rhynern, Pelkum, Herringen, Bockum-Hövel und Heessen eingeteilt. Jeder Stadtbezirk hat eine Bezirksvertretung mit jeweils 19 Mitgliedern, die bei jeder Kommunalwahl von der Bevölkerung des Stadtbezirks gewählt werden. Die Bezirksvertretung wählt aus ihrer Mitte den Bezirksvorsteher als Vorsitzenden und Repräsentanten des Stadtbezirks.

Für statistische Zwecke sind die Stadtbezirke in so genannte „statistische Bezirke“ und diese wiederum in „Baublöcke“ unterteilt. Die statistischen Bezirke sind mit einer zweistelligen Nummer und mit einem besonderen Namen gekennzeichnet. Die Stadtbezirke mit ihren zugehörigen statistischen Bezirken:

  1. Hamm-Mitte: City, Innenstadt-Süd, Innenstadt-Ost, Süden östlich der Werler Straße, Süden westlich der Werler Straße, Westen nördlich der Langen Straße, Westen südlich der Langen Straße, Bahnhof einschließlich Ortsgüterbahnhof
  2. Uentrop: Kurpark, Mark, Braam, Werries, Geithe, Ostwennemar, Norddinker, Vöckinghausen, Frielinghausen, Uentrop Ortskern
  3. Rhynern: Berge, Westtünnen westlich des Heidewegs, Westtünnen östlich des Heidewegs, Rhynern Ortskern, Osttünnen, Freiske, Osterflierich, Wambeln, Allen, Süddinker
  4. Pelkum: Wiescherhöfen/Daberg, Lohauserholz, Selmigerheide/Weetfeld, Zechensiedlung, Harringholz, Pelkum Ortskern, Westerheide, Lerche
  5. Herringen: Westenfeldmark, Ostfeld, Heidhof, Herringen Ortskern, Nordherringen, Herringer Heide, Sandbochum
  6. Bockum-Hövel: Nordenfeldmark-West, Hövel-Mitte, Hövel-Nord, Hövel-Radbod, Bockum, Barsen, Hamm-Norden, Holsen, Geinegge, Hölter
  7. Heessen: Nordenfeldmark-Ost, Mattenbecke, Zeche-Sachsen, Heessener Gartenstadt, Heessener Dorf, Westhusen, Dasbeck, Frielick

[Bearbeiten] Städtepartnerschaften

Hamm unterhält mit folgenden Städten Städtepartnerschaften:

[Bearbeiten] Ökostadt Hamm

Die Landesregierung Nordrhein-Westfalen hat im Juli 1991 das Modellprojekt Ökologische Stadt der Zukunft ausgeschrieben, um die Städte in NRW in ihren Bemühungen zur ökologischen Umorientierung zu unterstützen. Unter den Bewerbungen sollten drei Modellstädte ausgewählt werden, deren Konzeptionen und Projekte den eingeschlagenen Weg der ökologischen Erneuerung beispielhaft verdeutlichen. Die Stadt Hamm hat schon Anfang der 90er Jahre die ökologische und ökonomische Erneuerung zum Leitziel ihres Handelns erklärt. In vielen Bereichen war dazu eine Neuorientierung erforderlich, die weit über die klassischen Bereiche der Stadt-, Verkehrs- und Infrastrukturplanung oder Wirtschaftsförderung hinausging und notwendigerweise die Änderung der Lebens- und Konsumgewohnheiten der Bürgerinnen und Bürger einschloss. Im April 1992 wurden von einer Kommission des Landes NRW die Städte Aachen für den rheinischen Landesteil, Herne für den Emscher-Lippe-Raum und Hamm für den westfälischen Landesteil als Modellstädte ausgewählt. Die Konzeption des Modellprojektes sah vor, in den drei Städten für einen auf zehn Jahre begrenzten Zeitraum beispielhaft unterschiedliche Ansätze des ökologischen Stadtumbaus im kommunalpolitischen Zusammenhang miteinander zu verknüpfen. Die Modellstädte sollten Möglichkeiten und Machbarkeiten einer ökologisch orientierten Stadtentwicklung konzeptionell entwickeln und umsetzen sowie die festzustellenden Grenzen und Hemmnisse aufzeigen. Die Umsetzung sollte unter den Normalbedingungen der Lokalpolitik, der Finanzen und Normen des Landes NRW erfolgen und andere Kommunen zur Nachahmung anregen. Mit der Einrichtung einer beim Stadtplanungsamt angesiedelten Steuerungsgruppe wurden die organisatorischen Grundlagen gelegt. In sieben umweltthemenbezogenen Arbeitskreisen – Abfall, Bildung, Energie, Freiraum und Wasser, Kinder und Jugendliche, Planen und Bauen sowie Verkehr – konnten unter breiter Beteiligung unterschiedlichster Gruppen aus Verwaltung, Vereinen, Verbänden, Institutionen und Unternehmen schnell erste Ergebnisse erarbeitet werden. Die Arbeitskreise, die allen Interessierten die Möglichkeit gaben, eigene Ideen und Visionen ihrer Stadt zu entwerfen und einzubringen, haben zusätzlich erste Konzepte für eine nachfolgende Umsetzung konkreter Projekte, Maßnahmen und Aktionen entwickelt. Beispielhaft sei hier nur auf die Erarbeitung und Abstimmung eines Kataloges ökologischer Baustandards und eines Energiekonzeptes verwiesen.[14]

[Bearbeiten] Besonderheiten

[Bearbeiten] Ratsbürgerentscheid Lippesee

Im Jahre 2006 wurde in Hamm der erste Ratsbürgerentscheid durchgeführt. In dieser Abstimmung entschieden die Bürger über den Bau eines Stadtsees, der zwischen 2007 und 2010 gebaut werden sollte. Sein Projektname war „Lippesee“. Hierzu wurde – bisher einmalig in NRW – ein freiwilliger Bürgerentscheid am 18. Juni 2006 ermöglicht. Notwendig war dabei ein Votum von mindestens 20 % der 136.521 Wahlberechtigten für oder gegen den Antrag. Tatsächlich gab es 57.563 gültige Stimmen. Hiervon haben nach dem vorläufigen Endergebnis 43,1 % für „ja“ und 56,9 % für „nein“ gestimmt. Somit wurde der Bau des Sees abgelehnt. Dieses doch recht eindeutige Ergebnis überraschte insofern, als eine im Vorfeld erfolgte Umfrage vom Emnid eine große Zustimmung für das Projekt ergeben hatte. Zudem hatten sich in einer Telefonumfrage des lokalen Radiosenders „Lippe Welle Hamm“ 91 % der rund 2.000 Anrufer für den See ausgesprochen. Die Entscheidung der Hammer gegen den See wird bzw. wurde von den Gegnern des Sees als großer Erfolg gewertet und gefeiert. Im Vorfeld der Entscheidung hatten die Befürworter des Sees sehr viel – zum Teil umstrittene – Werbung für den See gemacht, z. B. wurde in der Fußgängerzone ein künstlicher Strand geschaffen und in Schulen wurden Flyer verteilt.

Der Hammer Ratsbürgerentscheid soll zukunftsweisend für das Land sein[15].

[Bearbeiten] Baugerichtstag

In Hamm wurde auch der Baugerichtstag ins Leben gerufen. Dieser soll sich künftig ähnlich wie der Verkehrsgerichtstag entwickeln.

[Bearbeiten] Neue Hanse

Hamm ist Mitglied der Neuen Hanse. Diese wurde als Lebens- und Kulturgemeinschaft der Städte über die Grenzen hinweg gegründet. Ihr Ziel ist neben der Förderung des Handels auch die Förderung des Tourismus. Sie steht in der Tradition der alten Hanse im Mittelalter.

[Bearbeiten] Religionen

Nach dem statistischen Jahrbuch der Stadt Hamm 2005 verteilte sich die Bevölkerung der Stadt auf:

  • Katholische Kirche : 39,0 % = 70.515 Einwohner
  • Evangelische Kirche: 33,3 % = 60.253 Einwohner
  • Andere Konfessionen
    und Konfessionslose: 27,7 % = 50.081 Einwohner

[Bearbeiten] Katholische Kirche

Pauluskirche Hamm

Durch das Stadtgebiet Hamms verläuft seit Jahrhunderten eine römisch-katholische Bistumsgrenze. Das Gebiet nördlich der Lippe gehörte bzw. gehört zum Bistum Münster, während das Gebiet südlich der Lippe zum Erzbistum Köln, Dekanat Dortmund gehörte. 1337 wurde Hamm Sitz einer von Mark abgetrennten Pfarrei, die bis 1553 katholische Pfarrkirche Hamms blieb, dann wurde sie lutherisch. Die dann noch in der Stadt verbliebenen Katholiken wurden bis 1638 vom Franziskanerkloster Hamm betreut, welches ab 1660 offiziell die pfarramtlichen Rechte wahrnehmen konnte. 1821 kam das Gebiet südlich der Lippe zum Bistum bzw. Erzbistum Paderborn, während das nördliche Gebiet beim Bistum Münster verblieb. Auf dem Stadtgebiet existieren heute zwei Dekanate in zwei Bistümern, das Dekanat Hellweg des Erzbistums Paderborn, mit Sitz in Werl und Dekanat Hamm des Bistums Münster, im Kreisdekanat Warendorf.

[Bearbeiten] Evangelische Kirche

Bereits ab 1533 fasste die Reformation in Hamm Fuß. Doch wurde sie erst 1553 endgültig eingeführt. Vorherrschend war zunächst das lutherische Bekenntnis, ab 1585 das reformierte Bekenntnis. Die Lutheraner konnten erst ab 1650 wieder eigene Gottesdienste feiern. Beide Gemeinden vereinigten sich im 19. Jahrhundert, als in ganz Preußen die Union zwischen lutherischen und reformierten Gemeinden zu einer evangelischen Gemeinde durchgeführt wurde. 1821 wurde Hamm Sitz einer Kreissynode mit einem Superintendenten innerhalb der Evangelischen Kirche in Preußen bzw. der westfälischen Provinzialkirche. Hieraus entstand der heutige „Kirchenkreis Hamm“, zu dem 16 evangelische Kirchengemeinden der Stadt Hamm und der benachbarten Städte und Gemeinden Ahlen, Bönen, Sendenhorst, Hilbeck (Stadtteil von Werl) und Werne innerhalb der Evangelischen Kirche von Westfalen gehören.

[Bearbeiten] Freikirchen

Neben den evangelischen und katholischen Gemeinden gibt es in Hamm auch noch verschiedene Freikirchen, darunter zwei Evangelisch-Freikirchliche Gemeinden, die zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in Deutschland, KdöR gehören, sowie eine Baptistengemeinde russlanddeutscher Herkunft, Brüdergemeinden, eine freikirchliche Pfingstgemeinde, die Siebenten-Tags-Adventisten und eine Evangelisch-methodistische Gemeinde.

[Bearbeiten] Sonstige christliche Religionsgemeinschaften

Auch die Neuapostolische Kirche ist in Hamm mit drei Gemeinden vertreten.

[Bearbeiten] Freimaurer

Die Johannisloge Zum hellen Licht ist die Freimaurerloge von Hamm. In Hamm wurde die Freimaurerloge am 24. Juli 1791 von 13 Freimaurern gegründet. Es waren dies:

  • Friedrich Freiherr Senfft von Pilsach
  • Domänenrat Friedrich August Hincke
  • Friedrich von Wolframsdorff
  • Friedrich Wilhelm Freiherr von Plettenberg zu Heeren
  • Leutnant Friedrich Freiherr von der Berswordt
  • Carl Friedrich von Sudhausen
  • Friedrich Ribbentrop
  • Johann Friedrich Fechner
  • Christian Ronnenberg
  • Hauptmann Joseph von Jechner
  • Franz Friedrich von Isselstein
  • Friedrich Adolf Krummacher
  • Friedrich von Meden

Diesen schlossen sich einen Tag später Freimaurer aus Soest und anderen umliegenden Gemeinden an:

  • Major Carl Sigismund von Schlichting
  • Leutnant Sigismund von Brause
  • Leutnant von Halk-Lebinsky
  • Scholaster Cruse
  • Thomas Lente
  • Friedrich Spener
  • Carl Freiherr von Plettenberg-Bodelschwingh

Als Logenlokal wurde die Wirtschaft der Witwe Bordelius auf der Widumstraße 1 gewählt. Der Mietvertrag wurde am 12. Dezember 1791 geschlossen. Am 8. Februar 1792 konnte die Loge eingeweiht werden.

Liste der Meister vom Stuhl:

  • 1792 - 1802 Freiherr Adam Senfft von Pilsach
  • 1802 - 1825 Freiherr Carl von Plettenberg-Bodelschwingh
  • 1827 - 1828 Friedrich Wilhelm Quade
  • 1828 - 1856 Eduard Mayer
  • 1856 - 1868 Friedrich Wilhelm Schulz
  • 1868 - 1870 Julius Hypolit Dieterici
  • 1870 - 1895 Carl Rollmann
  • 1895 - 1899 Carl Wiskirchen
  • 1899 - 1921 Emil Cobet
  • 1921 - 1927 Prof. Dr. Paul Noack
  • 1927 - 1952 Dr. Karl Manecke
  • 1952 - 1963 Wilhelm Geib
  • 1963 - 1967 Herbert Gurr
  • 1967 - 1973 Dr. Gottfried Gutmann
  • 1973 - 1975 Günther Ohlendorf
  • 1975 - 1979 Peter W. Schumitz[16][17]

[Bearbeiten] Ehemalige Jüdische Kultusgemeinde

Hauptartikel: Geschichte der Juden in Hamm

Die Juden in Hamm haben anscheinend schon in früheren Jahrhunderten über ein Gotteshaus verfügt. Wo dieses gestanden hat, ist heute nicht mehr bekannt. Das Gelände im Bereich des heutigen Santa-Monika-Platzes Nr. 5a erwarb die Gemeinde erst im Laufe des 19. Jahrhunderts[18].

Belegt ist die Existenz eines Gebetshauses in diesem Bereich für das Jahr 1831. Die eigentliche Synagoge Hamm, die nach den Bauplänen von Julius Lenhartz errichtet worden ist, wurde am 12. September 1868 eingeweiht[19][20][21].

Während der Novemberpogrome am 9. November 1938 wurde die Synagoge geschändet, verwüstet und ausgeplündert. Ein Niederbrennen kam aufgrund der Brandgefahr durch die dichte Bebauung der Altstadt nicht in Frage. Die endgültige Zerstörung erfolgte dann Ende 1938/Anfang 1939. Die Stadt brach die Synagoge ab und stellte die Kosten dafür der jüdischen Gemeinde in Rechnung[22].

Die meisten Mitglieder der jüdischen Gemeinde wurden während der Nazizeit in die Vernichtungslager deportiert, sofern sie sich nicht durch Flucht ins Ausland in Sicherheit bringen konnten[23].

Nach Kriegsende wurde dieser Bereich der Innenstadt als Parkplatz umgenutzt und über der Stelle der Synagoge eine öffentliche Toilette gebaut. Dieser unwürdige Zustand blieb so für ca. 50 Jahre erhalten. Im Rahmen einer innenstädtischen Flächenumnutzung sollte eine erneute Bebauung des Platzes erfolgen. Dies führte zu einem Erwachen der Erinnerung an die Synagoge. Nach Aufgabe der ursprünglichen Bebauungspläne für den Santa-Monica-Platz wurde der Parkplatz umgestaltet, die Toilettenanlage abgerissen und so Raum für eine Gedenkstätte geschaffen. Nach längerer Diskussion um die Beschaffenheit des Mahnmals, während der auch eine Rekonstruktion der Synagoge erwogen wurde, erinnert nun (seit Dezember 2003) ein Mahnmal, das die Umrisse der Synagoge zeigt, an das jüdische Gotteshaus, die jüdische Schule an der Kleinen Weststraße 5, aber auch an das verlorene, ehemals pulsierende Leben der Kultusgemeinde und an seine Vernichtung.

Gestaltet wurde die Gedenkstätte von Wilhelm Hagebölling aus Paderborn. Die Bushaltestelle, die sich direkt daneben befindet, trägt nun den Namen „Alte Synagoge/Markt“[24][25].

[Bearbeiten] Islam

Der Islam ist die drittgrößte Religionsgruppe in Hamm. Die Gläubigen, die in der Regel von den Gastarbeitern abstammen, welche nach dem Zweiten Weltkrieg angeworben wurden, um dem Arbeitermangel in Deutschland zu begegnen, haben seit dieser Zeit zahlreiche Gebetsräume und kleine Moscheen eingerichtet.

[Bearbeiten] Hinduismus

Weit über die Grenzen Hamms bekannt ist der HindutempelSri Kamadchi Ampal“ in Hamm-Uentrop, zu dem Jahr für Jahr Tausende gläubiger Hindus aus ganz Europa pilgern.

[Bearbeiten] Wirtschaft und Infrastruktur

[Bearbeiten] Wirtschaft

[Bearbeiten] Industrie

Wichtigste Industriezweige sind der Bergbau und die Stahlindustrie. Durch den Strukturwandel traten jedoch neue Industrien hinzu (Chemie und Autozulieferer).

[Bearbeiten] Bergbau

Auf dem heutigen Stadtgebiet gab es im 19. Jahrhundert eine Reihe von Bergwerken, Zeche Radbod, Zeche Sachsen, die Zeche Maximilian und das Bergwerk Heinrich-Robert (vormals Zeche De Wendel). Von den ursprünglich vorhandenen Zechen ist heute noch das Bergwerk Heinrich-Robert als Bergwerk Ost in Betrieb. Geschlossen wurden dagegen in der Reihenfolge ihrer Nennung die ehemaligen Bergwerke Maximilian, Sachsen und Radbod. De Wendel war zuvor „Heinrich-Robert“ umbenannt worden. Am 9.Juni 2008 hat die Ruhrkohle Aktiengesellschaft beschlossen, das Bergwerk Ost zum 30. September 2010 stillzulegen[26]. Damit endet die 109jährige Geschichte des Steinkohlenbergbaus in Hamm, welche mit der Eröffnung der Schachtanlage De Wendel (später Heinrich-Robert) begonnen hatte. Die ca. 2500 Kumpel, die noch auf dem Bergwerk Ost beschäftigt sind, sollen sozialverträglich abgebaut werden. Gleichzeitig schließt mit dieser Anlage die letzte Föderanlage des Ruhrgebiets, die noch Kokskohle fördert. Hoffnung setzen die Bergleute in die Planung des Bergwerks Donar, das im Bereich zwischen Bockum-Hövel und Drensteinfurt entstehen soll. Die Pläne zur Errichtung dieses Bergwerkes seien von der Schließung des Bergwerks Ost unabhängig, hieß es dazu[27].

[Bearbeiten] Stahlindustrie

Die Stahlindustrie wurde durch ein Röhrenwerk der Hoesch AG, die Thyssen Draht GmbH und die Westfälische Drahtindustrie (WDI) repräsentiert. Heute wird dieser Industriezweig von der Mannesmann Präzisrohr GmbH, mit Sitz in Hamm und der Mannesmann Fuchs Rohr GmbH vertreten, die im Mehrheitsbesitz der Salzgitter AG sind. Beide sind aus der früheren Hoesch Niederlassung entstanden. Die frühere Thyssen Draht GmbH ist heute Teil Böhler Welding Group und firmiert unter dem Namen Böhler Thyssen Welding. Nach zwischenzeitlicher Zugehörigkeit zu anderen Unternehmen ist die WDI wieder als eigenständiges Unternehmen tätig.

[Bearbeiten] Chemie-/Energie- und Kraftfahrzeugzulieferindustrie

Der größte Vertreter Chemieindustrie in Hamm ist das DuPont-Werk im Ortsteil Uentrop. Es gibt jedoch weitere mittelständische Unternehmungen in diesem Bereich. Die Kraftfahrzeugzulieferindustrie wird durch ein Werk der Hella KGaA Hueck & Co. im Stadtteil Bockum-Hövel repräsentiert. Im Werk sind etwa. 1.000 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Energieversorgung der Stadt wird u. a. durch das Kohlekraftwerk West