Der Kalighat-Tempel ist ein hinduistischer Tempel in Kalighat, einem Stadtteil von Kolkata (vorher Kalkutta). Für Verehrer der Göttin Kali, hier Kalika genannt, gehört er zu den wichtigsten Wallfahrtsorten auf dem indischen Subkontinent.
Inhaltsverzeichnis |
In seiner jetzigen Form wurde das Gebäude 1809 mit Hilfe der wohlhabende Familie Roy Choudhury an der Stelle eines früheren Tempels fertig gestellt. Doch schon in der Mitte des achtzehnten Jahrhunderts war Kalighat mit seiner schwarzen Göttin ein bekannter und viel besuchter Wallfahrtsort. Früheste Hinweise finden sich außer in unzähligen Legenden in einem in Bengalen bekannten Werk, dem Mansar Bhasan aus dem fünfzehnten Jahrhundert. Auch weisen verschiedene tantrische Schriften auf eine frühe Verehrung der Kali in dieser Umgebung hin.
Sind die Ursprünge auch auf tantrische Glaubensrichtungen zurückzuführen, war Kalighat doch nie ausschließlich ein tantrischer Tempel. So soll schon um etwa 1550 der populäre Bhuvaneswar Brahmachari, damals Priester in Kalighat, kleine Salgram Shilas, kugelrunde Steine als Verkörperung Vishnus, dort konsekriert und aufgestellt haben, die noch heute zu sehen sind. Auf dem Tempelgelände gibt es neben dem Hauptheiligtum für Kali auch einen Radha Krishna-Tempel sowie einen zur Verehrung Shivas.
Die Kalistatue, die Murti, besteht aus einem schwarzen Gesteinsblock, der nach einer Legende im Fluss gefunden, nach einer anderen aus der Erde gewachsen ist. Diesen statteten wohlhabende Besucher im Laufe der Zeit mit goldenen Gliedmaßen, Zunge sowie prachtvoller Kleidung aus.
Kalighat ist laut Mythologie einer der zweiundfünfzig Shakti Pithams. In der zugrunde liegenden Geschichte tanzt Shiva mit der Leiche seiner geliebten Frau, der Göttin Sati, auf den Schultern durch das Universum den Tanz der Zerstörung. Wegen einer schweren Beleidigung von Seiten ihres Vaters Daksha hatte sie sich selbst den Tod gegeben. Vishnu jedoch warf seinen Diskus und begann die Leiche zu zerstückeln, um so das Universum zu retten. Überall dort, wohin die Teile auf die Erde fielen, entstanden große Pilgerplätze, die Shakti Pithams. Die Zehe soll in den Fluss Bhagirathi (ein Seitenarm des Ganges) in der Nähe des heutigen Tempels gefallen sein. In diesem Zusammenhang bietet die Mythologie über die Entstehung des Tempels verschiedene Versionen.
Gehören auch Menschenopfer der Vergangenheit an, so ist doch der Gedanke des blutigen Opfers weiterhin im Tempel gegenwärtig. Obwohl für die meisten Hindus ein Gräuel, sind hier noch heute Ziegenopfer üblich. Manche Gläubige bestellen ein junges Tier, das von einem der Priester gesegnet und vom Fleischer mit einem einzigen Schnitt getötet und ausgeblutet wird. Das Blut opfert man der Göttin während man das Fleisch als Prasad, als gesegnet Speise, mit nach Hause nimmt. Neben dem blutigen Opfer sind vor allem Gaben von Blüten und Süßigkeiten wie bei jedem Tempelbesuch obligatorisch. Immer gehören einige Münzen dazu, gelegentlich auch größere Summen. Von diesen Spenden sowie den persönlichen Entgelten der Pilger für den Tempeldienst leben die dortigen Priester mit ihren Familien.
Von einem Teil der Spenden kochen die Organisatoren regelmäßig auf riesigen Lehmöfen Speisen für die Armen, die zu Hunderten um den Tempel herum lagern.